Kommentar: Heiko Maas - 6 Gründe, warum die Hassfigur der Rechten gerade aufsteigt

Der bisherige Justizminister ist der Nachfolger von Sigmar Gabriel. Der 51-Jährige wurde erstmals 2013 zum Bundesminister ernannt. (Bild: AP Photo)

Der Justizminister zieht ins Auswärtige Amt. Dort kann er seine Geschmeidigkeit polieren für noch höhere Weihen.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Warum eigentlich nicht Heiko Maas? Die Präsentation des Saarländers als neuer Außenminister überrascht nicht. Eine gewisse Langeweile atmet dieses Votum, von Maas sind keine Überraschungen und Volten zu erwarten. Aber es gäbe weitaus schlimmere Kandidaten; auf Maas zumindest trifft der Werbespruch eines alten Waschmittels zu: Da weiß man, was man hat; auch wenn die Kleider nicht gerade blitzblank sind.

Maas ist kein Gewinnertyp. Dreimal verlor er als SPD-Spitzenkandidat die Landtagswahlen im Saarland. Dass ihn die Genossen unverdrossen drei Mal ließen, sagt indes vielleicht auch etwas über die Qualitäten des Triathleten, der Schmerzen kennt.

Maas ist kein Gewinnertyp, aber er kann kämpfen. Mit Rechtspopulisten legt er sich an, streitet mit ihnen, lässt sich rhetorisch kaum Butter vom Brot nehmen. Auch Rechte sollten, unabhängig von den Meinungsunterschieden, anerkennen: Der Herr zeigt Haltung.

Maas ist kein Gewinnertyp, dafür ist er zu dankbar, zu loyal und zu harmlos. Immer gab es Patrone in seinem politischen Leben, denen er Gefolgschaft bewies. Im Saarland war es früher Oskar Lafontaine, der ihn mit 28 Jahren zum Landtagsabgeordneten manövrierte, dann sattelte Maas rasch um in Exekutivämter. In den letzten Jahren schuldete Maas dem damaligen SPD-Parteichef Sigmar Gabriel Dank, als er ihn 2013 überraschend zum Bundesjustizminister erkor. Maas ordnete sich leise Gabriels Kehrtwenden unter. Hatte er sich noch wacker gegen die von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geplante Vorratsdatenspeicherung gewehrt, exekutierte er sie klaglos, als Gabriel plötzlich meinte, seine Meinung ändern zu müssen.

Die SPD wechselt kräftig durch: Außenminister Sigmar Gabriel muss weichen, Heiko Maas kommt für ihn. (Bild:dpa)

Maas ist kein Gewinnertyp, aber strebsam. Als Justizminister hat er viele Gesetze angeschoben, zeigte sich eingearbeitet. Dabei konnten Beobachter sich zuweilen des Eindrucks nicht erwehren, der Aktionismus des Ministers beruhe zu einem gehörigen Teil auf dem Motiv der Eigenwerbung. Maas will glänzen, da kommt das Amt des Außenministers gerade recht, dessen Inhaber wirklich goldene Löffel stehlen müssen, wollen sie bei den Deutschen in Ungnade fallen.

Maas ist kein Gewinnertyp, er stieg nur beharrlich die Karrieresprossen nach oben. Er kam für die neue Parteispitze auch deswegen fürs Außenamt in Frage, weil er im Club der Alphatiere schon angekommen war. Und man bleibt ja gern unter sich.

Maas ist kein Gewinnertyp, aber mit seiner Geschmeidigkeit setzt er sich zuweilen durch. Viele Amtsvorgänger verloren sich in Grabenkämpfen mit den Innenministern – welche man zur Ausgestaltung von Gesetzen braucht. Mit Innenressortchef Thomas de Maizière aber kooperierte Maas geräuschlos. Maas weiß, wann es sich nicht lohnt in eine Schlacht zu ziehen. Über diplomatisches Geschick verfügt er durchaus. Als Außenminister wird der überzeugte Europäer, als Saarländer mit einer geistigen Nähe zu Frankreich gesegnet, einen Mittelweg suchen zwischen der Kleinteiligkeit, mit der Frank-Walter Steinmeier das Amt ausfüllte, und dem großspurigen Wumms, mit dem Gabriel den Job vollzog.

Maas ist kein Gewinnertyp, aber dennoch hat er gewonnen. Vorerst.

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