Kommentar: G7 mit Donald Trump - das ist der Gipfel

Auch die Gruppenfotos zum G7-Gipfel wirken reichlich gezwungen (Bild: Reuters)

Ein bewährtes Gesprächsformat hat sich erledigt. Der US-Präsident zwingt uns dazu, Politik neu zu denken.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Das Jahr 2015 scheint Jahrzehnte weit zurück zu liegen. Damals, im Schloss Elmau vor sommerlicher Alpenkulisse, tagte ein Gipfel der G7-Staaten wie in einem Traum. Man hatte sich lieb. Man lobte den Multilateralismus, die gegenseitigen Absprachen und Zielsetzungen. Heute dagegen wirkt ein Wort wie „Kooperation“ wie eine Beschimpfung.

Donald Trump ist gut im Wegwischen. Und so gut sich sein Amtsvorgänger Barack Obama beim Elmauer Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel und den anderen Staats- und Regierungschefs verstand, so sehr bemüht sich der aktuelle US-Präsident um ein Gegenteil dessen. Trump handelt auf eigene Faust, er sucht nur kurzfristige Vorteile für sich und denkt, mit einer Politik der Verhöhnung und Einschüchterung psychologische Vorteile erzielen zu können, die sich auch handfest auszahlen werden. Diese Hoffnung ist kühn. Aber leider ist auch Trump ziemlich kühn.

Der G7-Gipfel vom vergangenen Wochenende scheiterte krachend, weil Trump es so wollte. Nicht einmal ein Minimalkonsens, zusammengefasst auf wenigen dürren Zeilen, hielt für ein paar Stunden, da kassierte Trump seine eigene Unterschrift per Twitter, weil Kanadas Regierungschef Trudeau ihm angeblich dumm gekommen sei. Das ist Sandkastenniveau und dennoch ein Fakt, mit dem auszukommen ist. Trump ist da.

Was sich noch lohnt

Solche Gipfel kosten viel Geld. Vielleicht sollte ihre Struktur und Natur überdacht werden. Zwar kann die Antwort auf Trumps diplomatische Irrfahrt nicht sein, selbst auch nicht in See zu stechen – es muss viel mehr Zusammenkünfte und Verständigungen geben. Aber die Gipfel der G7 hatten früher einen informellen Charakter, zu dem sie wieder zurückkehren sollten. Die Gipfel wurden in letzter Zeit zu stark aufgepumpt. Schon in Elmau fragte ich mich, was die 3000 Kolleginnen und Kollegen wirklich zu tun hatten, als sie in eine Sporthalle eingepfercht darauf warteten, eine Pressemitteilung der Herrschenden entgegen zu nehmen. In Zeiten der Digitalisierung war dies ein komischer Mummenschanz gigantischen und durchaus humorvollen Ausmaßes.

Die G7-Gipfel brauchen also dringend eine Restaurierung. Schlanker müssen sie werden, weniger bedeutungsschwanger und weniger zielorientiert. Die Staats- und Regierungschefs sollten sich öfter als einmal im Jahr treffen, und das ohne große Erwartungen, ohne Riesenaufwand, ohne Spektakel. Etwas Gutes zu Essen und zu Trinken ließe sich schon noch auftreiben. In diesen Rahmen könnten auch Autokratien wie China oder Russland teilnehmen; einflusslos sind diese beiden Länder ja nicht.

Selbst ist die Union

In solche Zusammenhänge eingebettet ließe sich ein Trump besser ertragen. Wollen die USA international alleinstehen? Sollen sie. Die anderen müssen nun enger zusammenrücken. Vor allem Europa muss seine Sprache wiederfinden, das Skript hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schon formuliert – seine Ideen für eine Reform der EU, vor allem eine gemeinsame Finanzpolitik, zeigen den Alleingängen von Populisten die gelbe Karte.

Das ist die eine Sprache. Die andere muss jene sein, die Trump versteht. Der US-Präsident sieht sich als Dealmaker – und seine Strategie, wenn es denn eine gibt, ist immer die gleiche: Maximale Drohkulisse und schauen, ob sich der Gegenüber zuerst bewegt. Das heißt, dass sich die EU auf einen drohenden „Handelskrieg“ vorbereiten muss. Jedem Schritt Trumps muss eine dem entsprechende Reaktion erfolgen; sonst denkt der Mann, er könne immer weiter provozieren und verletzen. Das sind keine rosigen Aussichten, aber nun kriegen alle die Rechnung für die vergangene US-Präsidentenwahl.