Kommentar: Donald Trump holt alles raus

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.

Der US-Präsident verlor die Wahl. Wahrhaben will er es nicht. Dabei haben die Amerikaner ganz andere Sorgen. In deren Windschatten macht Donald Trump es sich bequem.

Hält an seinem Amt fest: US-Präsident Donald Trump (Bild: REUTERS/Brian Snyder)
Hält an seinem Amt fest: US-Präsident Donald Trump (Bild: REUTERS/Brian Snyder)

Ein Kommentar von Jan Rübel

Es ist ein gewisses Talent, nach einer misslungenen Performance selbst den Abgang nicht hinzukriegen. Donald Trump ist in dieser Hinsicht meisterhaft.

Er will einfach nicht raus, aus dem Weißen Haus. Und das liegt kaum daran, dass die Nachbarn seiner Klubanlage in Miami schon böse Briefe geschrieben haben, weil sie ihn als Dauerbewohner dort nicht sehen möchten.

Trump holt alles raus. Er reizt mit seinem Blatt ständig aufs Neue, egal wie schlecht es ist. Und währenddessen macht er, was er am besten kann: Erstens Geld einsammeln und zweitens Demokratie verachten.

Zu Punkt 1: Rund 200 Millionen Dollar an Spenden hat Trump seit seiner Wahlniederlage eingesammelt – angeblich, um das mit Klagen gegen die Wahl und weitere Recherchen zu finanzieren. Nur landete der Großteil dieser Gelder bisher bei einem Fonds, dem Familienmitglieder vorstehen – und während sein Wahlteam munter weiter drauflos klagt, tut sie das ohne einen Cent aus diesem Fonds. Werden die letzten Tage seiner Amtsschaft zu einer gewinnbringenden Anlage?

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Zersetzung, 24 Stunden am Tag

Zu Punkt 2: Was angebliche Wahlmanipulationen angeht, hat Trump viel behauptet und nichts bewiesen. Rund 50 Klagen hat er anstrengen lassen, und sie alle wurden gerichtlich kassiert; sein eigener Justizminister, das FBI und die republikanischen Gouverneure der angeblich strittigen Staaten sind nicht müde geworden, die Rechtmäßigkeit der Wahlen zu untersuchen und schließlich zu bestätigen. Vor einem Tag flatterte wieder eine Klage gen Obersten Gerichtshof – der Bundesstaat Pennsylvania soll durch Wahlrechtsänderungen gegen die Verfassung verstoßen haben. Ich habe versucht herauszufinden, was konkret vorgeworfen wird – aber in den Medienberichten dazu stand das nicht; als wären alle dieser Klagen überdrüssig geworden. Nebenbei widerspricht Trump seinem eigenen und tiefst ergebenen Außenminister Mike Pompeo, der von einem Hackerangriff aus Russland berichtet, und tweetet: „May be“, also es könne sein, dass es „China“ gewesen sei. Trumps Argument: Immer werde als erstes Russland genannt. So ungeniert Geheimdienstinformationen aushebeln – auch darin hat Trump in seiner Präsidentschaft Meisterschaft bewiesen.

Geht diese Show endlos weiter?

Um dann noch einen draufzusetzen, lässt Trump unter seinen Berater diskutieren, ob man das Kriegsrecht ausrufen könne und liebäugelt damit, eine Anwältin als „Special Counsel“ zu berufen, die im Staatsauftrag den Betrugsvorwürfen bei der Wahl nachgeht. Nur: Trump kann sowas nicht bestellen, die von ihm angedachte Frau ist eine Verschwörungsfanatikerin und überhaupt existieren bisher diese Vorwürfe nur in Trumps Kopf.

Der noch amtierende Präsident hätte sich für einen anderen Abgang entscheiden können. Trump hätte sich rühmen können, dass er bei der Entwicklung, Prüfung und Bereitstellung eines Impfstoffs gegen Covid-19 wirklich effektiven Druck machte. Es ist ein Stück weit Trumps Verdienst, dass in Amerika bereits Impfungen anlaufen. Doch den Weg herunter sucht Trump gar nicht erst.

Er zeigt auf jeden Tag neu, worum es ihm geht: um sich selbst. Ich, einfach unverbesserlich. Mit dieser Show wird er uns auch als Privatier im kommenden Jahr zu unterhalten versuchen; für ihn wird immer etwas herausspringen. Daher an dieser Stelle ein persönlicher Wunsch: Dass es im Jahr 2021 nur wenige Kolumnen über Trump geben wird.

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