Kommentar: DITIB ignoriert Gewalt im Islamunterricht

Tobias Huch
Journalist und Englandkorrespondent
Trotz zahlreicher Berichte von Betroffenen bestreitet DITIB Übergriffe im Koranunterricht (Bild: Getty Images)

Gestern habe ich in meiner Eigenschaft als Reporter für Yahoo Nachrichten einen vielbeachteten Beitrag zu höchst beunruhigenden Vorgängen in einer Kölner DITIB-Moschee veröffentlicht. Kinder hatten unabhängig voneinander darüber berichtet, in besagter Moschee mit körperlicher Gewalt im Koranunterricht konfrontiert worden zu sein.

Die zahlreichen Reaktionen auf den Artikel in den Sozialen Netzen bestätigen die Vermutung, dass Gewalt im Koranunterricht eher die Regel als die Ausnahme ist. Viele Muslime berichten, dass sie selbst Schläge ertragen mussten oder dass sie ihre Kinder aus dem Unterricht genommen haben, weil diese geschlagen oder gar Opfer sexueller Übergriffen wurden.

Nicht selten wurden Eltern daraufhin durch DITIB-Gemeinden unter Druck gesetzt. Selbstverständlich werde ich diesen Vorwürfen als Journalist weiter nachgehen; dazu bin ich meinem Beruf verpflichtet, und ich werde mich auch nicht durch Beleidigungen oder Drohungen diverser DITIB-Unterstützer beeindrucken lassen.

Familien werden unter Druck gesetzt

Die massiven Angriffe gegen mich lassen erahnen, welchen Druck erst Familien aushalten müssen, deren Kinder zu Opfern von Gewalt oder sexuellem Missbrauch in Moscheen wurden. Ich bin deutscher Staatsbürger, habe keine Familie in der Türkei, habe nicht vor, in die Türkei zu reisen und wohne in der sicheren Europäischen Union; die Drohungen können mir deshalb nichts anhaben.

Dagegen haben türkische oder kurdische Familien viel mehr zu verlieren; DITIB kann ihnen und ihren Verwandten in der Türkei über die türkische Religionsbehörde Diyanet erheblichen Schaden zufügen, kann Repressalien und Schikanen veranlassen. Äußerst wirksam ist etwa die Drohung, als “Terrorist” gemeldet zu werden: In der Türkei reicht schon der wirrste, konstruierteste Vorwurf, um für lange Zeit weggesperrt zu werden, wie wir gerade erst im Fall Deniz Yücel miterleben mussten.

Dieser Teufelskreis von Angst und Einschüchterung muss endlich durchbrochen werden. Die deutschen Behörden müssen auf die Sorgen der betroffenen Familien eingehen und ihnen weitaus stärker als bisher helfen. Auch die Politik muss endlich reagieren und DITIB als das behandeln, was dieser “Moscheeverein” in Wirklichkeit ist: Eben keine religiöse Einrichtung, sondern ein politischer Verein, der sich dem Ziel verschrieben hat, in Deutschland eine Gegengesellschaft zu errichten.

DITIB greift Journalismus an

Wie wenig sich DITIB um unsere freiheitliche Wertordnung und um freie Presse schert, zeigte auch wieder die gestrige Reaktion des Bundesverbands auf die Missbrauchsvorwürfe: Zuerst veröffentliche der Verein ein inhaltsleeres PR-Zitat, dann bezeichnete er seriöse, journalistische Recherche als “Fake-News”. Dies lässt tief blicken.

Zum Glück herrschen in Deutschland mit seiner freien Presselandschaft, andere Verhältnisse als in der Türkei mit ihren gleichgeschalteten Medien, die allein auf Befehle aus dem Präsidentenpalast Erdogans in Ankara hören. Soviel Pluralität und Unabhängigkeit der Berichterstattung scheint DITIB schlicht nicht gewohnt zu sein.