Kommentar zu Charlottesville: Ultrarechte fühlen sich durch Trumps Rede gestärkt

Der US-Präsident Donald Trump äußerte sich lange nicht zu den Vorfällen.

Eine Frau war tot, und dutzende weitere Menschen lagen verletzt im Krankenhaus, als Donald Trump am Samstag endlich vors Mikrofon trat. In den 18 Stunden zuvor waren hunderte Rechtsextreme mit Fackeln und Hakenkreuz-Fahnen marodierend durch ein friedliches College-Städtchen in Virginia gezogen, hatten „Sieg Trump!“ gegrölt und die Bevölkerung mit einer bewaffneten Miliz in paramilitärischen Uniformen schikaniert. Doch als der US-Präsident nun endlich auftauchte und um einen direkten Kommentar zum Terror der weißen Rassisten in Charlottesville gebeten wurde, wandte er sich wortlos ab.

Sonst schreckt Trump vor keiner Zuspitzung zurück: Der republikanische Mehrheitsführer im Senat? Ein Versager. Der nordkoreanische Präsident? Wird eine beispiellose Apokalypse erleben. Dieses Mal aber blieb er demonstrativ unbeteiligt. Keine Empörung, wie sie bei einem mutmaßlich arabischen Attentäter unausweichlich gewesen wäre. Keine Verurteilung von weißem Überlegenheitswahn, Islamhass und Neo-Nazi-Parolen, die von den Trump-Fans der Alt-Right-Bewegung oder vom Ku-Klux-Klan verbreitet werden.

Kein Mitgefühl von Trump

Für Stunden fand Trump nicht einmal ein Wort des Mitgefühls für die Opfer. Stattdessen eine abstrakte Absage an die Gewalt „auf vielen Seiten“ und ein diffuses Bedauern. „Sad“ sei das irgendwie alles – traurig.

Trumps fatales Schweigen ist kein Zufall. Er selbst hat mit nationalistischen Parolen, der Verleumdungskampagne gegen seinen angeblich unamerikanischen Vorgänger Barack Obama und der Beförderung des Breitbart-Ideologen Stephen Bannon ins Weiße Haus die spalterische Saat gesät, die nun aufgeht. Und er hat die krebsartige Wucherung des Hasses in der amerikanischen Gesellschaft mit maßlosen Ausfällen gegen seine Gegenkandidatin Hillary Clinton („Werft sie in den Knast!“), die Medien...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung