Kommentar: Berliner Großsiedlungen brauchen auch Besserverdiener

Die viel beschworene „Berliner Mischung“ sollte nicht nur in der bevorzugten Innenstadt geschützt werden, meint Isabell Jürgens.

"Überall nur Pisse und Kacke." Mit diesem Satz beginnt der 1978 veröffentlichte Roman "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Die drastischen Worte der Protagonistin Christiane F. beschreiben die Gropiusstadt, die Hochhaussiedlung in Neukölln, in der sie ihre trostlose Kindheit verbrachte, bevor sie zur drogenabhängigen Kinderprosituierten wurde. Durch das Buch wurde nicht nur Christiane F. weltberühmt. Gleiches galt für die Trabantenstadt aus den 60er- und 70er-Jahren, damals zu 90 Prozent mit Sozialbauwohnungen belegt.

Die Gropiusstadt wurde fortan zum Synonym für Fehlplanungen im Städtebau und in der Wohnungspolitik, in der vor allem Menschen, die von Arbeitslosigkeit, geringen Einkommen oder mangelnder Integration betroffen waren, am Stadtrand zusammengepfercht wurden. Viel Geld und Engagement auch seitens der städtischen Wohnungsbaugesellschaften ist seitdem in diese Quartiere geflossen, um Kriminalität und Verwahrlosung etwas entgegenzusetzen.

Mit Erfolg. Inzwischen bleiben viele Bewohner ihrer Siedlungen auch dann treu, wenn sie sich eine Wohnung anderswo leisten könnten. Und diejenigen, die dort ihre Kindheit verbracht haben, müssen sich nicht mehr stigmatisiert fühlen, wenn sie dazu stehen, in einer dieser Siedlungen aufgewachsen zu sein. Doch damit dies so bleibt, sind weitere Anstrengungen nötig.

Und da ist es absolut kontraproduktiv, wenn eine vom rot-rot-grünen Senat beschlossene Sozialquote von 60 Prozent nun dafür sorgt, dass wieder überwiegend sozial benachteiligte Mensche...

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