Kommentar "Allgemeine Zeitung": Weinstein-Prozess

Die "Allgemeine Zeitung" aus Mainz schreibt zum Weinstein-Prozess:

"Wer vom Weinstein-Prozess - so notwendig er ist - Rechtsfrieden oder gar allumfassende Gerechtigkeit erwartet, der kann nur enttäuscht werden. Das kann nicht funktionieren, wenn sich der Beklagte offensichtlich erfolgreich mit Millionen Dollars von vielen Vorwürfen freikauft. Das kann nicht funktionieren in einem Geschäft namens Hollywood, in dem offensichtlich nicht nur vor der Kamera schon immer mit Sex und Gewalt gespielt wurde. Und das kann nicht funktionieren in einem Land, dessen Präsident Frauen verbal zu Lustobjekten degradiert ('Grab them by the pussy') und unbehelligt im Amt bleibt. Man kann allenfalls hoffen, dass im Weinstein-Prozess die Fakten nicht völlig auf der Strecke bleiben, dass er nicht zum Spektakel à la O.J. Simpson verkommt. Die Frage, was wir als Gesellschaft aus Weinstein und #MeToo lernen können, wird nicht im New Yorker Gericht beantwortet. Dafür bedarf es eines längeren Atems und vor allem weniger Hysterie."

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