Flüchtlinge: Abriegelung der Mittelmeerroute wäre eine europäische Schande

Wer NGOs vorwirft, die Flucht noch zu verstärken, verdreht Ursache und Wirkung.

Die Regierung in Rom verspricht dieser Tage nicht weniger als eine Wende in der Flüchtlingspolitik. Und greift zu drastischen Maßnahmen. Fast 100.000 Menschen, so viele wie nie zuvor, haben in diesem Jahr bereits die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer angetreten. Italien, das steht außer Frage, trägt die Hauptlast der Ankommenden, seitdem die sogenannte Balkanroute abgeriegelt wurde. Die Fluchtbewegung wurde nicht einfach gestoppt, sondern es hat sich lediglich die Fluchtroute verlagert, weiter nach Westen. Sie ist damit wieder sehr viel gefährlicher geworden.

Zu Recht beklagt Italien, dass es – wieder einmal – von Europa alleingelassen wird. Es hat keine Solidarität zu erwarten. Das Versagen Europas in der Flüchtlingspolitik ist ein historisches, aber auch diese Erkenntnis hilft den Italienern nicht. Italien sieht sich also gezwungen zu handeln, in Brüssel, Paris, Berlin wird beifällig genickt. Es wäre ja auch zu schön, wenn sich das Problem so einfach lösen ließe.

Italien legt sich mit den „naiven Gutmenschen“ an

Das Schlüsselwort für die römische Politik heißt Libyen. Dort treten derzeit die meisten Menschen die Überfahrt an, dort warten nach Schätzungen der Vereinten Nationen Hunderttausende auf ihre Chance. Italien hat zu seiner einstigen Kolonie bessere Kontakte als jedes andere europäische Land. Doch Libyen ist nach dem Wegbomben des Diktators Muamar al-Gaddafi ein zerfallender Staat, mit einer schwachen Regierung der Nationalen Einheit, die nur einen geringen Teil des Landes unter Kontrolle hat und selbst kaum in der Lage...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung