Kolumne: Völlig zu Unrecht gilt der Katzenfreund als verwirrter Mann

Jörg Thadeusz

Bernhard geht es nur um sich. Trotzdem sind wir Freunde. Da mögen andere lamentieren, wie sehr wir alle in unseren Filterblasen verharren. Mein Kater Bernhard und ich haben eine Schnittmenge gefunden. Wir haben schon sondiert, als das noch gar nicht in Mode war. Anfangs erlag er dem Irrtum, mein Computer sei auch sein Arbeitsgerät.

Wahrscheinlich hatte sich bis zu ihm rumgesprochen, dass soziale Netzwerke vor allem für Katzen geschaffen sind. Während er sich ansonsten zu einem geradezu modellhaften Entschleuniger entwickelte, fehlte ihm zur persönlichen Digitalisierung die Geduld. Er biss in das Gerät. Oder haarte passiv-aggressiv in die Tastatur.

Jenseits des Computerproblems ist es eine zeitgemäße Kameradschaft des 21. Jahrhunderts. Während ich den Rasen mähe, nascht Bernhard ein, zwei Libellen. Die übrig gebliebenen Organe erlegter Nagetiere arrangiert er so konzentriert, dass die Installation in einer rau betonierten Galerie in Berlin-Mitte auf seine sozialrevolutionäre Aussage abgeklopft würde. Falte ich die Wäsche, ergibt sich die Gelegenheit mit Bernhard einen Konsumverzicht zu überdenken. Schließlich trägt er alles am Leib, was er an Kleidung hat.

Nun ist Bernhard seit Tagen nicht nach Hause gekommen. Prompt zeigt sich ein Mangel in einer Zeit, in der sogar unser Geschlecht keine Frage der Biologie, sondern des guten Gesprächs ist. Über das Verhältnis des Mannes zu seinem Hund lässt sich reden. Auch das erfüllende Verhältnis zum Pferd und seinem sportlichen Genie ist zig...

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