Kolumne Stadtflucht: Der Novembermissmut grassiert diesmal schlimmer denn je

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Berlin. Die zwei sehr kleinen Kleinwagen standen nebeneinander an der roten Ampel in Kreuzberg, als der Fahrer des linken Wagens mit wütendem Blick das Fenster herunterließ. „Was machst du, du Schlampe!“ brüllte er das andere Auto an, es war keine Frage. Der Mann, Mitte 30 und zu dick für sein Auto, gestikulierte wütend durchs geöffnete Beifahrerfenster. Die Fahrerin des anderen Kleinwagens war etwa 50 und trug blonde Strähnchen im kurzen Haar. Sie bellte berlinernd durchs offene Fenster zurück: „Wie kann man nur so scheiße Autofahren wie du!“ Dann wurde es Grün, die Autos fuhren weiter, und niemand schaute ihnen hinterher.

Fakt ist: Der November war schon immer ein anstrengender Monat. Dunkel, stressig, und selbst wenn mal die Sonne scheint, sind manche dadurch auch wieder nur genervt. Sich plötzlich übers Wetter zu freuen und unverhofft die Sonne zu genießen, passt manchem einfach nicht in den teilweise regelrecht eingeplanten Novemberblues.

Was allerdings neu ist, sind die Bereiche, in denen die einen sich an anderen abreagieren. Das Geschrei an der Ampel war mir vielleicht nur deswegen aufgefallen, weil ja im Lockdown weniger Verkehr ist – zumindest in Kreuzberg. Aber auch per Briefpost lässt sich viel Ärger verursachen. Und auch abreagieren.

Erst hielt ich es für Versehen. Briefe an andere Menschen, bei mir eingeworfen. Kann ja passieren. Ich brachte sie zu den richtigen Adressaten. An meinen Briefkasten hängte ich einen bittenden Zettel an den Zusteller. Ab da landeten auch Briefe...

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