Kolumne: Warum manche Menschen schöne Gärten nicht ertragen

Was der Sommer mit uns macht – Frau Keseling stapft durch Stadt und Land

Plötzlich haben die Häuser neue Frisuren: Die Kletterrosen blühen. Das fiel mir auf, als ich neulich aus der Stadt fuhr. Auch unser Haus hat momentan Ponyfransen aus zartrosa Rosen, die an der Hauswand hinaufgeklettert sind und deren Triebe nun bis ins Küchenfenster baumeln, weil ich vergessen habe, sie rechtzeitig zu schneiden. Wie schön!

Selbst aus den grauesten Dörfern macht der Sommer Schönheiten. Oft sogar gerade aus ihnen. Altmodische Blumen wie Pfingst- und Stockrosen, Jungfern im Grünen, Sonnenblumen, Klatschmohn und dazwischen blühendes Gras: Bauerngärten mit traditionellen Gewächsen wirken selbst vor alten Mauern, bröckelndem Putz und verwitterten Zäunen viel schöner als an schick gestylten Neubauten. Allerdings hat diese Liebe zum Alten in den letzten Jahren so um sich gegriffen, dass sich inzwischen ganze Baumarktabteilungen auf künstliches Kaputtes spezialisiert haben. Altes Holz, hergestellt aus Plastik. Blätternder Lack, künstlich abgeschabt. Rost, chemisch erzeugt, immer mehr davon steht in den Gärten. Mir gefällt das nicht, aber egal.

Denn im Garten geht es selten allein darum, wie das, was man darin tut, hinterher aussieht. Sondern einfach darum, dabei zu sein. Wenn Früchte reifen, Blumen aufblühen, seltsame Käfer fliegen und sich am Himmel Wolkengebirge türmen wie Alpen, muss man sich nicht mal bewegen, um das Gefühl zu haben, dass die Welt sich dreht. Plötzlich ist es Abend und immer noch hell. Was man den getan hat? Man war im Garten. Reicht doch, oder?

Zeit...

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