Kolumne Deutschstunde: Wer pleite ist, hat vorher Pleite gemacht

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Als die meisten deutschsprachigen Medien am 1. August 1999 die Reformschreibweise übernahmen, stellte ich 20 Wörter in alter und 20 Wörter in neuer Schreibweise in die Wochenendausgabe, bei denen nach jeweiliger Norm nur „richtig“ oder „falsch“ angekreuzt werden sollte. Ich gebe zu: Die Aufgabe war hinterhältig. Alle 40 Beispiele mussten als „richtig“ gekennzeichnet werden. Die Leser verzweifelten. Keine Lösung war fehlerfrei.

Die Reformer bemühten sich, möglichst eine Systematik in den orthografischen Dschungel zu bringen. Zwischen 1996 und 2006 hieß es: Verb und Verb (Infinitiv) immer getrennt. Bis dahin galt die unsägliche Betonungsregel des Dudens. Wer jedoch die Schreibweise eines Wortes aus dem Satzzusammenhang entnehmen muss, braucht eigentlich keine unterschiedliche Schreibweise, um den Sinn eines Satzes zu präzisieren. Und das Wesentliche: Nur derjenige, der perfekt Deutsch sprach, konnte diesen Feinheiten folgen, nicht derjenige, der Deutsch erst lernte oder lernen musste.

Der Lehrer sagte: „Ihr könnt gern sitzen bleiben, wenn ich in die Klasse komme, aber einige von euch werden am Ende des Schuljahres bestimmt sitzenbleiben.“ Wie einfach, auch für Ausländer, war und ist doch dagegen die Anweisung: Verb und Verb immer getrennt, egal in welchem Kontext. Bekanntlich haben die Reformer der Reform, angetrieben durch einen Berliner Großkonzern, diese Regel im Jahre 2006 verwässert, ohne sie abzuschaffen. Heute heißt es: Wenn „sitzen“ eine eigenständige Bedeutung hat, so sc...

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