Kolumbiens Staatschef will Friedensdialog mit ELN-Guerilla wieder aufnehmen

ELN-Chefunterhändler Pablo Beltrán

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos hat angeordnet, den Dialog mit der Guerillaorganisation Nationales Befreiungsheer (ELN) wieder aufzunehmen. Santos erklärte am Montag, er habe seinen Chefunterhändler Gustavo Bell zu diesem Zweck angewiesen, in Ecuadors Hauptstadt Quito zu reisen. Dort hatten die Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Guerilla im Februar 2017 begonnen.

Der Staatschef nannte kein Datum für die Wiederaufnahme der Gespräche. Diese sollen nach seinen Worten zum Schweigen der Waffen, zur "Rettung von Leben" und zu einem "vollständigen Frieden" in Kolumbien führen. Die Guerilla begrüßte Santos' Entscheidung. Für den Dialog sei ein beiderseitiger Waffenstillstand förderlich, erklärte sie.

Die ELN-Rebellen hatten zuletzt aus Anlass der Parlamentswahl am vergangenen Sonntag eine einseitige Waffenruhe vom 9. bis zum 13. März ausgerufen. Santos hatte die Verhandlungen in Ecuador nach dem Auslaufen eines dreimonatigen Waffenstillstands am 10. Januar unterbrochen und die Regierungsdelegation aus Quito abgezogen.

Nach tödlichen Angriffen der Aufständischen auf Polizisten hatte die kolumbianische Regierung Ende Januar die Wiederaufnahme von Gesprächen abgesagt. Santos, der im August aus dem Amt scheidet, will mit der ELN-Guerilla einen ähnlichen Pakt schließen wie das historische Friedensabkommen mit der Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc) vom November 2016.

Seit 1964 wurden in Kolumbien bei Kämpfen zwischen der Armee, linksgerichteten Guerillagruppen wie Farc und ELN sowie rechten Paramilitärs mehr als 260.000 Menschen getötet. Etwa sieben Millionen Menschen flohen vor der Gewalt, mehr als 60.000 weitere werden vermisst.