Kolumbiens Regierung will Dialog mit ELN-Guerilla fortsetzen

Kämpfer der ELN-Guerilla

Die kolumbianische Regierung und die Guerillaorganisation ELN wollen in der kommenden Woche über eine Wiederaufnahme ihrer Friedensgespräche verhandeln. Der Verhandlungsführer der Regierung, Gustavo Bell, werde am Mittwoch in Ecuadors Hauptstadt Quito zurückerwartet, teilte die Nationale Befreiungsarmee (ELN) am Freitag mit. Die ELN hofft nach eigenen Angaben darauf, dass er mit der "Anweisung" zurückkehrt, die Friedensgespräche wieder aufzunehmen.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos hatte die Friedensverhandlungen mit der ELN nach dem Auslaufen eines dreimonatigen Waffenstillstands am 10. Januar unterbrochen und die Regierungsdelegation aus Quito abgezogen. Santos warf den Rebellen neue Angriffe "auf die Zivilbevölkerung, die Streitkräfte und die Infrastruktur" des Landes vor. Einzelheiten zu den mutmaßlichen Angriffen nannte er nicht.

Der kolumbianische Präsident will mit der ELN einen ähnlichen Pakt wie das historische Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen vom November 2016 schließen. Für seine Friedensbemühungen erhielt Santos damals den Friedensnobelpreis.

Die ELN mit ihren knapp 2000 Kämpfern ist die letzte aktive Guerillagruppe in Kolumbien. Der im Oktober in Kraft getretene Waffenstillstand war die erste Kampfpause, die die ELN seit dem Beginn ihres Aufstands 1964 akzeptierte. Beide Seiten warfen sich allerdings Verstöße gegen die Vereinbarung vor.

Bei Kämpfen zwischen der Armee, linksgerichteten Guerillagruppen wie Farc und ELN sowie rechten Paramilitärs wurden in Kolumbien seit 1964 mehr als 260.000 Menschen getötet. Etwa sieben Millionen Menschen flohen vor der Gewalt, mehr als 60.000 weitere werden vermisst.