Kolumbiens ELN-Guerilla hofft in Kuba auf "besseren Waffenstillstand" als vorher

ELN-Chefunterhändler Pablo Beltrán

Die kolumbianische Guerillaorganisation Nationales Befreiungsheer (ELN) hofft vor den am Donnerstag in Havanna beginnenden Friedensverhandlungen mit Vertretern der Regierung auf einen Durchbruch. Der ELN-Chefunterhändler Pablo Beltrán sagte, er wünsche sich einen Waffenstillstand, der "weit besser" sei als der vorherige. Das sei "sehr wichtig", selbst wenn es nicht das Ende des Konflikts bedeute.

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos hatte sich bei einem Besuch in Berlin am Mittwoch "überzeugt" gezeigt, dass ein Waffenstillstand zustande kommen könne. Er hatte zugleich ein endgültiges Friedensabkommen vor dem Ende seiner zweiten vierjährigen Amtszeit im August ausgeschlossen. Allerdings hoffe er, die Weichen für seinen Nachfolger im Präsidentenamt "in die richtige Richtung" gestellt zu haben.

Bei der Präsidentschaftswahl am 27. Mai ist der ultrarechte Senator Ivan Duque vom Demokratischen Zentrum (CD) den Umfragen zufolge klarer Favorit. Er lehnt einen Dialog mit der Guerilla strikt ab.

Die Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der ELN-Guerilla hatten im Februar 2017 in Ecuadors Hauptstadt Quito begonnen. Die ELN-Rebellen hatten aus Anlass der Parlamentswahl am 11. März eine einseitige fünftägige Waffenruhe ausgerufen. Santos hatte die Verhandlungen in Ecuador nach dem Auslaufen eines dreimonatigen Waffenstillstands am 10. Januar unterbrochen und die Regierungsdelegation aus Quito abgezogen.

Ecuador lehnte es im April ab, weiterhin Gastgeber der Friedensverhandlungen zu sein. Die Regierung in Quito begründete dies mit Angriffen und Entführungen seitens Dissidenten der aufgelösten Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc)in Ecuador.

Santos wollte ursprünglich mit der ELN-Guerilla einen ähnlichen Pakt schließen wie das historische Friedensabkommen mit der Farc-Guerilla. Dieses wurde im November 2016 in Havanna unterzeichnet. Die Guerilla gab ihre Waffen ab und wandelte sich um in eine politische Partei namens Alternative revolutionäre Kraft des Volkes mit derselben Abkürzung Farc.

Seit 1964 wurden in Kolumbien bei Kämpfen zwischen der Armee, linksgerichteten Guerillagruppen wie Farc und ELN sowie rechten Paramilitärs mehr als 260.000 Menschen getötet. Etwa sieben Millionen Menschen flohen vor der Gewalt, mehr als 60.000 weitere werden vermisst.