Mit Kohfeldt steigt Werder ab

Martin van de Flierdt

Den Re-Start der Bundesliga hatten die Anhänger von Werder Bremen mit großen Hoffnungen verbunden.

Natürlich waren die Vorzeichen nicht optimal, weil die Grün-Weißen aufgrund der besonderen Bremer Gegebenheiten sowohl das Gruppen- als auch das Mannschaftstraining einige Tage später aufnehmen durften als die Konkurrenz.


Aber Werder hatte vor der Corona-Pause ein dermaßen desolates Bild abgegeben, dass auch kühnste Optimisten daran zweifelten, dass bei normalem Saisonverlauf eine Wende zum Guten herbeizuführen gewesen wäre.

Es konnte also nur besser werden. Dachte man. Doch das war ein Trugschluss. 

Kohfeldt kann Werder nicht helfen

"Das war kein K.o.-Schlag", behauptete Trainer Florian Kohfeldt zwar steif und fest nach dem herben 1:4 gegen Bayer Leverkusen. 

Aber alle Beobachter hatten gesehen, dass der Boxer Werder Bremen hart auf dem Ringboden der Tatsachen gelandet war und keine Anstalten macht, aufzustehen, wenn ihm nicht rasch jemand unter die Arme greift. Dieser jemand ist nicht mehr Florian Kohfeldt. 

Durch Corona hatten sich nicht nur, aber eben auch die Bremer Akteure gezwungenermaßen andere Sorgen machen müssen, die das Elend auf dem Platz in seiner Bedeutung relativierten.

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Mit der Aufnahme des Sportpsychologen Mathias Kleine-Möllhoff und des Mentaltrainers Jörg Löhr in seinen Stab hatte Kohfeldt in der Folge versucht, neue Impulse zu setzen, den Reset-Knopf zu drücken. Gegen Leverkusen rief er seinen Spielern immer wieder mantraartig "Wir bleiben ruhig, Männer!" zu, um ihr angenagtes Selbstbewusstsein zu stärken.

Bei Bremen hat sich nichts geändert

Doch die Pleite gegen die nicht einmal vollends geforderten Rheinländer lieferte die ernüchternde Erkenntnis für alle Bremer, dass sich durch die Coronakrise schlichtweg nichts geändert hat.

Ein bundesligareifes Abwehrverhalten gerade bei Standards oder auch nur hohen Hereingaben ist weiterhin nicht erkennbar.

Das dritte Gegentor stand dafür symptomatisch, als der Ball gefühlte Sekunden an der Bremer Fünfmeterraumlinie in der Luft stand und weder Torwart Jiri Pavlenka noch Kevin Vogt Anstalten machten, sich ihm zu nähern. Leverkusens Mitchell Weiser hatte einen deutlich längeren Weg zum Ball, aber eine wesentlich schnellere Auffassungsgabe.

Werders Offensive ist mut- und wirkungslos

Wäre wie in früheren Zeiten wenigstens die starke Offensive ein Faustpfand für einen absehbaren Aufschwung, wäre das halb so wild. Doch dort ist Milot Rashica allein auf weiter Flur überfordert, Davie Selke bemüht aber genauso mut- und wirkungslos wie die fünf weiteren nominellen Angreifer, die Kohfeldt gegen Leverkusen ins Spiel brachte.

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Von der im Vorfeld vom Trainer gepriesenen Fitness seiner Mannschaft war zudem wenig zu sehen. Kohfeldt ist an der Weser nach wie vor beliebt, stets höchst engagiert und versucht auch weiterhin, Optimismus vorzuleben. 


Doch die Karre steckt fest im Dreck, und Kohfeldt bekommt sie bei allem Bemühen nicht mehr flott.

Ob ein Trainerwechsel Bremen im Abstiegskampf wirklich hilft, steht auf einem anderen Blatt. Womöglich entpuppt er sich als obendrauf kostspieliger Aktionismus. Doch ein Abstieg mit der Hypothek der finanziellen Corona-Folgen on top käme den Verein mit Sicherheit deutlich teurer zu stehen.