Knapp 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland brauchen Hartz IV

14,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind auf Hartz IV angewiesen. Mit dieser Quote erreichte der Anteil der Kinder, die diese Transferleistung brauchen, einen neuen Höchststand, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht.

Insgesamt leben demnach rund 1,95 Millionen Kinder und Jugendliche in Familien, die Hartz IV beziehen. Dies entspricht einem Plus von 110.000 oder 0,8 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg ist vor allem eine Folge der Zuwanderung von Flüchtlingen seit 2012. Zunächst hatte sich die Zuwanderung in einem Anstieg der Fallzahlen beim Asylbewerberleistungsgesetz bemerkbar gemacht, da Flüchtlinge in der Regel in den ersten 15 Monaten keinen Anspruch auf Hartz IV haben.

Mit einer Verzögerung kam es dann zu einer starken Zunahme der Zahl ausländischer Kinder im Hartz-IV-Bezug. Diese hat sich seit Dezember 2011 von 291.373 auf 583.639 in etwa verdoppelt. Die Zahl der Kinder im Hartz-IV-Bezug mit deutscher Staatsangehörigkeit - ohne und mit Migrationshintergrund - ist dagegen seit Dezember 2011 um über 120.000 gesunken.

Die Zunahme konzentriert sich den Angaben zufolge auf Westdeutschland, im Osten war nur im vergangenen Jahr ein kleiner Anstieg festzustellen. Es gibt aber weiterhin große regionale Unterschiede, vor allem auf der Ebene der Städte und Kreise: Die höchsten Hartz-IV-Quoten unter Minderjährigen weisen Gelsenkirchen mit 41,0 Prozent, Bremerhaven mit 36,1 Prozent und Halle an der Saale mit 34,3 Prozent auf. Die Kreise mit den niedrigsten Quoten liegen alle in Bayern: Pfaffenhofen an der Ilm (2,2 Prozent), Eichstätt (2,3 Prozent) und Donau-Ries (2,5 Prozent).

Der WSI-Sozialexperte Eric Seils bezeichnete es zwar als erfreulich, dass die verbesserte wirtschaftliche Entwicklung die Zahl der deutschen Kinder im Hartz-IV-Bezug senke. Aber dieser Rückgang vollziehe sich auf einem nach wie vor hohen Niveau und sei "kein Selbstläufer". Die starke Zunahme bei ausländischen Kindern unterstreiche die Bedeutung von besserer Arbeitsmarktintegration der Eltern sowie von Bildungsinvestitionen.