Knallharte Abrechnung mit Trump in der "heute-show": "Erbärmlicher Loser" und "auftrebender Jungdiktator"

Jürgen Winzer
·Lesedauer: 5 Min.

Der Wahlkrimi in den USA war natürlich Hauptthema in der "heute-show" (ZDF). Er entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Oliver Welkes Prognose: "In vier Jahren werden viele US-Bürger wahrscheinlich fragen: Zählen wir immer noch Stimmen oder machen wir jetzt einfach Neuwahlen?"

"Was für ein erbärmlicher Loser!" Mit den Worten, die Donald Trump einst selbst benutzte, beschrieb "heute-show"-Moderator Oliver Welke, wie er den amtierenden US-Präsidenten einstuft. Bei der Entscheidung "Schafft es Joe Biden ins Weiße Haus oder klagt Trump doch noch auf Eigenbedarf?" stoße Trump, der "aufstrebende Jungdiktator", in eine neue Dimension vor: Ein Präsident, der bei der Stimmauszählung fordere "Da wo ich vorne liege, sofort aufhören zu zählen, da wo ich hinten liege unbedingt weiter machen" sei unverantwortlich. Ein Präsident, der sich in der Wahlnacht zum Sieger erkläre und gleichzeitig von Wahlbetrug und Verschwörung durch den Gegner "fasele", zudem hochgefährlich. In Amerika könne jedes falsche Wort fatale Folgen haben.

Das sei nicht auf Trump selbst begrenzt. Sein Sohn, Donald Junior, kippt fahrlässig Öl ins Feuer und riet seinem Daddy, den "totalen Krieg gegen die Wahl" auszurufen. Welke: "Super Idee. Werft doch Atombomben auf alle Auszählungszentren, wo ihr hinten liegt."

Der Lügen-Präsident: 13 Unwahrheiten von Trump pro Tag!

Eine Präsidentschaft der Lügen: Über 20.000 hat Donald Trump während seiner vierjährigen Amtszeit verbreitet. 13 pro Tag, wie Welke vorrechnete. Alle sind auf der "Wand der Lügen" in New York niedergeschrieben. "Da hat er seine versprochene Mauer!"

Angesichts dieser Tatsache feierte Welke die Kollegen des amerikanischen TV-Senders CNBS. Die blendeten sich während einer Rede Trumps aus der Live-Berichterstattung aus, weil "das, was der Präsident der Vereinigten Staaten erzählt, unwahr ist". Eine TV-Sternstunde, meinte Welke, "schon jetzt mein liebster TV-Moment ever".

Sternstunden gab es während der Berichterstattung der deutschen TV-Sender über die Wahl in den USA eher selten. Friedrich Küppersbusch ("Irgendwer mit Medien") meinte zwar, dass die Deutschen "Bundestagswahl" könnten. "Von der Hochrechnung bis zur Berliner Runde mit Küsschen und Popo abwischen in vier Stunden - dann ist das Ding aber durch." Mit der "völlig überraschenden" USA-Wahl sei man aber eher überfordert gewesen. "Die ARD hat grade noch drei Billy-Regale zusammengelötet". Und das ZDF nervte mit seinem Kung-Fu-Gong zu neuen Zwischenergebnissen.

Trump sieht Deutschland als Schurkenstaat

Gewinner der Nacht waren für Küppersbusch Nobert Röttgen, Peter Altmaier und Alexander Graf Lambsdorff. Die drei "O-Ton-Spender" seien durch alle Kanäle getorkelt und "erzwangen am frühen Morgen mit Waffengewalt Zutritt zum Kinderkanal".

Man kann es zwischen den Zeilen erkennen: Viele Deutsche mögen Trump nicht. Auch Angela Merkels Verhältnis zu Trump sei ja, so Welke, "eher mittelherzlich". Aber das beruht auf Gegenseitigkeit. In vier Jahren war Trump nie zum Staatsbesuch in Berlin. "Gut", räumte Welke ein, "es gab ja auch bis vor ein paar Tagen keinen brauchbaren Flughafen, auf dem die Air Force One hätte landen können." Aber Trump, so führte Reporterin Valerie Niehaus aus, lederte auch im Wahlendspurt gegen Deutschland. Zählte Germany mit Iran und China als Staaten auf, die ihn loswerden wollten. Niehaus: "Erstens: völlig richtig. Zweitens: Er nennt uns in einem Atemzug mit Iran und China." Damit sei Deutschland offiziell ein Schurkenstaat. "Wir sind die Bösen, wie in den alten Indiana-Jones-Filmen."

Januar wieder Lockdown, dafür Après Ski im Februar?

Genug auf Donald herumgetrumpelt und über das hohe Alter von Joe Bien gewitzelt ("Auferstanden die Ruine", "Das greise Haus"). Vor der Corona-gebeutelten eigenen Haustür gibt's genug zu kehren. Etwa, dass für die Post-Lockdownzeit noch immer kein Konzept ersichtlich sei. "Soll das immer so weitergehen?", fragte Welke und machte das Szenario auf: "November zu, Dezember wieder pralle Weihnachtsfeiern, deshalb Januar leider wieder Lockdown, dafür grünes Licht für Après Ski im Februar in Ischgl?"

Der besonderen Bedeutung von Weihnachten widmete sich eine Schaltung zu Dr. Alexander Wipprecht, dem "Leiter des Kanzleramts-Krisenstabs 'Weihnachten retten'". Der erläuterte, dass Weihnachten die "Motivations-Möhre" sei, die man den Deutschen vorhalte. Motto: "Wenn ihr jetzt alle brav seid, dann gibt es ein schönes Weihnachten für euch. Dann habt ihr endlich Zeit für die Familie - also die, mit denen ihr im Lockdown auch eingesperrt wart."

Sind weibliche Vostände nur was für Science-Fiction-Fans?

Die Corona-Problematik überdeckt vieles andere. Zum Beispiel die Tatsache, dass die von Franziska Giffey geforderte Frauenquote in deutschen DAX-Vorständen derzeit ausgebremst wird. Warum das so ist, erklärte Sebastian Puffpaff, "Frauenbeauftragter im Wirtschaftsministerium". Der räumte ein, dass immer noch über 90 Prozent der Vorstände männlich seien. Das liege auch daran, dass Frauen "leider so gar keine kriminelle Energie" hätten. "Wo wäre denn Volkswagen ohne diese maskuline Kreativität im Umgang mit Abgaswerten?" Anderes Problem: "Schön, wenn meine Frau Vorstandsvorsitzende bei Bayer Leverkusen ist. Aber wenn dann die Küche aussieht wie Sau, da ist doch nun wirklich keinem geholfen." Puffpaffs Fazit: "Weibliche Vorstände klingt immer gut, wenn man Science-Fiction mag."

Weniger wie Zukunftsmusik, sondern wie ein Rückfall ins Mittelalter mutet an, was in Polen geschah. Dort verschärfte das Verfassungsgericht, sehr im Sinne des Vize-Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der regierenden PiS-Partei Jaroslaw Kaczynski, das Abtreibungsgesetz. Dagegen liefen, so Welke, jetzt aber nicht nur betroffene Frauen Sturm, sondern auch viele Unterstützer: Zwei Drittel der Polen sind gegen das verschärfte Gesetz, es werden Rücktrittsforderungen gegen die Regierung laut. "Haben sich die PiS-ser verrechnet?", fragte Welke und fragte treuherzig grinsend nach: "PiS-ser, sagt man das so?"

Man dürfe da aber nicht die Nase rümpfen. Auch in Deutschland, vor allem in ländlichen süddeutschen Bereichen, würden Schwangerschaftsabbrüche schwierig. Und in Passau (Niederbayern) sogar unmöglich. Ein Stadtratsbeschluss verbietet diese Eingriffe, Dann könne es, so ein Werbe-Clip für Passau, da ja auch wieder "jeden zweiten Samstag die Verbrennung einer Rothaarigen" geben. Der Slogan der Drei-Flüsse-Stadt: Passau - wo das Mittelalter niemals aufgehört hat.