Klopp zeigt Bayerns Schwachstellen auf

Martin Volkmar, Stefan Moser, Stefan Kumberger

Die niederschmetterndste Aussage an diesem bitteren Abend kam vom Gegner.

"Ich bin nicht unzufrieden, aber wir können schon noch besser spielen", sagte Liverpools Trainer Jürgen Klopp nach dem 3:0 beim Audi Cup über den FC Bayern.

Allerdings reichte auch die nach Klopps Meinung eher mäßige Vorstellung seines Teams aus, um die Münchner in der eigenen Arena teilweise vorzuführen. Liverpool zeigte die Schwachstellen der Bayern deutlich auf.

Dementsprechend angefressen und wortlos verließen Mats Hummels und Uli Hoeneß den Ort des Geschehens - ebenso wie der gerade erst installierte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.


Rummenigge: "Schnell die Kurve kriegen"

Dafür sprach Karl-Heinz Rummenigge. "Arbeit ist genug da", sagte der Vorstandsboss in Richtung Salihamidzic und forderte: "Wir müssen schnell die Kurve kriegen, ganz klar."

Denn der Rekordmeister präsentiert sich nach genau einem Monat Saisonvorbereitung in schlechter Verfassung, verlor vier der letzten fünf Testspiele und kassierte dabei ungeheure zwölf Gegentreffer.

SPORT1 nennt Gründe, warum beim FCB so viel Sand im Getriebe ist.

- Keine Kontrolle im defensiven Mittelfeld

Im Grunde spielte der Rekordmeister ab der 7. Minute ohne eine funktionierende Doppel-Sechs vor der Abwehr: Corentin Tolisso verschlampte einen Ball in der eigenen Hälfte. Liverpool konterte zum 1:0.

Von da an war der junge Franzose bei seinem ersten Auftritt in der Allianz Arena in erster Linie mit sich selbst beschäftigt. 

Weil auch Thiago kaum Verantwortung übernahm, lahmte nicht nur die kreative Zentrale - der komplette Aufbau der Bayern wurde ungewohnt langsam und unsauber.

Ein Zustand, der sich noch verschlimmerte, nachdem Thiago früh verletzt vom Platz musste. Sein Ersatz Renato Sanches war mit der Intensität und dem Druck des Liverpooler Mittelfelds schlicht überfordert. 

"Die Balance hat nicht gestimmt. Vor allem im zentralen Mittelfeld müssen wir besser acht geben", monierte Carlo Ancelotti.

Zudem wurden die beiden Youngster auch von ihren Mitspielern alleine gelassen. "Wir standen nicht gut, haben viele Räume zugelassen und viele einfache Ballverluste gehabt", analysierte Torhüter Sven Ulrich treffend.


- Schwachstelle Rafinha

Der Brasilianer zeigte zum wiederholten Mal in der Vorbereitung, dass er auf rechts trotz seiner eigenen Ankündigungen kein Ersatz für den schon jetzt schmerzlich vermissten Philipp Lahm ist.

Bei allen drei Gegentoren sah Rafinha schlecht aus, mehrfach hatte er vor allem gegen Sadio Mane das Nachsehen und konnte sogar froh sein, dass er nach einem Frustfoul in der ersten Hälfte nicht die Rote Karte sah.

- Fehlende Einstellung beim gesamten Team

Abwehr fängt bekanntlich ganz vorne an, und auch in dieser Hinsicht hatten die Münchner einen schwachen Abend.

Die Offensive um Robert Lewandowski und James blieb nicht nur vor dem Tor total ungefährlich, sondern arbeitete bei Ballverlusten auch nicht richtig nach hinten mit. Ein Hauptgrund, warum Liverpool immer wieder zu gefährlichen Gegenstößen kam.

Für Ancelotti das größte Ärgernis: "Körperlich ist man in dieser Phase manchmal nicht so gut drauf, aber dann müssen Einstellung und Mentalität besser sein. Das haben wir nicht gezeigt."

Franck Ribéry gab dem Trainer Recht. "Wir müssen wieder mehr wie ein Team spielen", forderte der Franzose

"Auch wenn du mal nicht gut spielst, dann musst du mehr Präsenz zeigen, mehr Charakter. Wir müssen unsere Einstellung ändern."

- Fehlende Schlüsselspieler

Schon jetzt deutet sich an, dass Lahm und Xabi Alonso nicht einfach zu ersetzen sein werden. Andere werden schmerzlich vermisst.

Das gilt vor allem für die angeschlagenen Schlüsselspieler Manuel Neuer, Jerome Boateng und Arjen Robben sowie die eben erst aus dem Urlaub zurückgekehrten Arturo Vidal und Joshua Kimmich, die dem Team deutlich mehr Stabilität geben dürften.

Gleichwohl: Andere eigentlich gesetzte Kräfte wie Lewandowski und Thiago oder die Neuzugänge James und Tolisso sind aus verschiedenen Gründen noch weit von ihrer Bestform entfernt.

Ancelottis wenig beruhigendes Fazit vor dem Supercup am Samstag in Dortmund gegen den BVB (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER): "Natürlich bin ich besorgt. Wir sind nicht in der besten Verfassung."