In Klopp we trust! Liverpools Star ist der Trainer

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Jürgen Klopp erreicht zum zweiten Mal das Finale der Champions League. Er ist damit in die Riege der absoluten Top-Trainer aufgestiegen. Doch jetzt muss er auch den letzten Schritt gehen. 

Von Yahoo Sport-Redakteur Tommy Gaber

Jürgen Klopp steht als Trainer zum zweiten Mal im Champions-League-Finale

Jürgen Klopp hatte Mühe zu begreifen, was er gerade mit dem FC Liverpool erreicht hatte. “Wir kamen als Qualifikant in die Champions League und jetzt spielen wir das Finale in Kiew. Das klingt verrückt, aber es ist die Wahrheit”, sagte der Coach der Reds nach dem Eiertanz in Rom.

Nach einer ordentlichen ersten Halbzeit und einer 2:1-Führung zur Pause verlor Liverpool völlig den Faden und kam am Ende beim 2:4 mit einem blauen Auge davon. Es sei das “schlechteste Spiel” seiner Mannschaft in der CL-Saison gewesen, sagte Klopp, der sich aber nicht länger mit einer tief gehenden Analyse befassen wollte. “Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie hat Unglaubliches geleistet. Ich freue mich für meine Spieler, den ganzen Klub und unsere Fans.”

Stimmen: Rom schießt gegen die Uefa

Nach zweieinhalb Jahren im Amt hat Klopp den vorläufigen Höhepunkt seiner Liverpooler Zeit erreicht. Der Start im Oktober 2015 war holprig, viele Fans wünschten sich Vorgänger Brendan Rodgers zurück. Die Statistik verliebten englischen Journalisten rechneten vor, dass Klopp eine deutlich schwächere Bilanz habe als Rodgers, der zwar 2014 beinahe englischer Meister geworden wäre mit Liverpool, ein Jahr später aber wegen Erfolglosigkeit gefeuert wurde.

Klopp bekam die nötige Zeit

Die Klubchefs ließen sich davon aber nicht beeindrucken und gaben Klopp etwas, das Trainern im heutigen Profifußball grundsätzlich verwehrt wird: Zeit. Zeit, sich in der Premier League zurechtzufinden. Zeit, eine neue Mannschaft nach seinen Vorstellungen aufzubauen und ihr seine Philosophie von intensivem, kräfteraubendem Fußball einzutrichtern.

Der Erfolg gibt den Bossen der Reds recht. Und er gibt vor allem Klopp recht. Das Champions-League-Finale ist schon die dritte Teilnahme mit Liverpool an einem Endspiel für den 50-Jährigen. 2016 erreichte Klopp die Finals im League Cup und der Europa League.

Entwicklung erinnert an Klopps BVB-Ära

Die Entwicklung in Liverpool erinnert an Klopps Zeit bei Borussia Dortmund. Als er 2008 zum BVB kam, lag der Verein am Boden. In der Saison 2007/08 spielte Dortmund lange gegen den Abstieg, die Mannschaft war überaltert und falsch zusammengestellt. Klopp benötigte eine gewisse Anlaufzeit, entwickelte den BVB aber peu a peu zum ersten Bayern-Jäger. Er holte 2011 die deutsche Meisterschaft, ein Jahr später das erste Double der Vereinsgeschichte und führte Schwarz-Gelb 2013 ins Champions-League-Finale.

Er machte aus Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Robert Lewandowski und Mario Götze internationale Stars. Gleiches ist Klopp in Liverpool mit Roberto Firmino oder Mohamed Salah gelungen; der Ägypter ist nach einer überragenden Saison der derzeit heißeste Stürmer der Welt.

Hitzfeld, Heynckes, Mourinho, Ancelotti – KLOPP

Was Salah bei den Angreifern ist, ist Klopp bei den Trainern. Durch das Erreichen des Champions-League-Finals ist er in die Riege der Top-Trainer aufgestiegen. Zwei Endspielteilnahmen in der Königsklasse mit zwei verschiedenen Mannschaften können sich nicht viele Coaches ans Revers heften: Jose Mourinho, Carlo Ancelotti, Jupp Heynckes, Ottmar Hitzfeld, Louis van Gaal, Ernst Happel – das Who is Who der Welt-Trainer. Seit Mittwochabend gehört Klopp dazu.

Dortmund gehörte 2013 nicht zu den besten Klubs Europas und Liverpool 2018 auch nicht. Das macht Klopps Leistung umso bemerkenswerter. 2013 fegte der BVB im Halbfinale über Real Madrid hinweg, 2018 Liverpool im Viertelfinale über Manchester City. Liverpools erste Halbzeit im Hinspiel gegen die Guardiola-Elf war mit das Beste, was eine Mannschaft in den letzten Jahren in der Champions League abgeliefert hat.

Ewiger Final-Loser?

Bei aller Hochachtung vor seiner Arbeit muss Klopp jetzt auch den entscheidenden Schritt gehen. Von sechs Finals mit Dortmund und Liverpool verlor er fünf, nur beim allerersten Mal (5:2-Sieg im Pokalfinale 2012 gegen Bayern) konnte Klopp am Ende eine Trophäe in den Händen halten. Sollte es in Kiew wieder nicht klappen, läuft Klopp Gefahr, als ewiger Final-Loser abgestempelt zu werden. Angesichts seiner bisherigen Trainer-Karriere ein Affront, aber unvermeidbar.

Hinsichtlich der Aussichten im Finale gegen Real Madrid am 26. Mai stapelte Klopp erstmal tief: “Was die Erfahrung in solchen Spielen angeht, hat Real einen unglaublichen Vorsprung. Ich glaube, 80 Prozent der aktuellen Mannschaft hat in den letzten vier Jahren drei Champions-League-Finals gespielt.”

Eine kleine Warnung an die Königlichen hatte Klopp dann aber doch im Gepäck: “Ich kann versprechen: Wir werden on fire sein!” Loris Karius bezieht dies auf den Trainer. “Wir gehen für Jürgen Klopp durchs Feuer!”, sagte der Torhüter.

In Klopp we trust!

Das Gleiche tun seit längerem auch die Fans der Reds. Sie wollen keinen spröden Ergebnisfußball, wie ihn Manchester United unter Mourinho spielt. Sie wollen auch keinen Reagenzglas-Fußball, wie ihn Manchester City unter Guardiola spielt. Sie wollen Klopps leidenschaftlichen Starkstrom-Fußball. Kein Wunder, dass sich die Anzahl der Banner mit einem bestimmen Sprich rund um die Anfield Road in letzter Zeit stark erhöht hat: “In Klopp we trust!”

Wie in Dortmund ist es Klopp auch in Liverpool gelungen, mit seiner Art das Umfeld des stets emotional aufgeladenen Klubs zu vereinnahmen. Die Zeitung Independent verglich ihn kürzlich mit Bill Shankly, Liverpools Trainerlegende aus den 60er- und 70er-Jahren. Beiden sei es gelungen, ihre Werte auf die Spieler und den ganzen Klub zu übertragen. “Sollte sich Merseyside zur unabhängigen Volksrepublik erklären, wie einige Menschen in der Region halb im Spaß meinen, hätte Klopp den Rückhalt, um das Präsidenten-Amt zu übernehmen”, schrieb die Zeitung. 

Ein Triumph in Kiew würde Klopps Chancen signifikant erhöhen.