Die klitzekleinen Dinge, die riesengroße Vermögen schaffen

Sven Vogel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Audio-Streaming-Plattform Spotify (WKN: A2JEGN) wird an der Börse heute mit knapp 30 Mrd. US-Dollar bewertet. Dabei startete sie erst vor weniger als 15 Jahren. Im beschaulichen Schweden versuchte man sich daran, eine legale Alternative zu den damals beliebten illegalen Raubkopien zu entwickeln.

Bereits zu Beginn verwendete Spotify eine unglaubliche Energie darauf, die Verzögerung bei der Audiowiedergabe so gering wie möglich zu halten. Man wusste, der menschliche Körper nimmt eine Verzögerung von bis zu 200 Millisekunden nicht wahr. Genau diese Schallmauer wollte man durchbrechen.

Zunächst schaffte man allerdings nur eine Verzögerung von 500 Millisekunden. An dieser Kleinigkeit wurde so lange gefeilt, bis man die magische Grenze unterschritt und den Nutzern die magische Erfahrung bieten konnte, die komplette Musik- und mittlerweile auch Podcast-Welt auf der heimischen Festplatte zu haben.

Im Rückblick weiß man nun nicht mit absoluter Sicherheit, ob genau diese Kleinigkeit den Unterschied machte und Spotify zum Milliardenunternehmen, das es heute ist. Aber es war sicherlich ein wichtiges Puzzle-Stück für diesen grandiosen Erfolg.

Besessenheit und Überzeugungsfähigkeit

Die Entwicklung von Spotify ist nur ein Beispiel für eigentlich klitzekleine Dinge, die riesige Vermögen schaffen. Oder, wie es jemand anderes kürzlich ausdrückte, dafür, wie klitzekleine Unterschiede im Produktdesign und in der Nutzererfahrung einen Unterscheid von Dutzenden oder Hunderten Milliarden US-Dollar bewirken können.

Denk einmal an die Besessenheit von Steve Jobs, ein formvollendetes Produkt zu erschaffen. Oder an die Besessenheit von Jeff Bezos, jede einzelne Entscheidung am Kunden auszurichten. Oder an die Besessenheit von Elon Musk, seine Elektroautos zum fahrenden iPad zu entwickeln, die mittels Software-Updates eben nicht Jahr für Jahr an Wert verlieren, sondern an Wert gewinnen. Oder an die scheinbar unerreichte Einfachheit einer bestimmten Video-App, die so viele von uns derzeit nun zoomenund nicht skypen lässt.

Aber wo endet positive Besessenheit und wo beginnt der Wahnsinn? Bis zu welchem Zeitpunkt ist es richtig, von seinem Team zu fordern, die Wiedergabeverzögerung um weitere Millisekunden zu verringern? Für die genannten Unternehmer liegt diese Grenze wahrscheinlich deutlich weiter entfernt als für alle anderen.

Daher ist neben der puren Besessenheit von einer Idee eine weitere Fähigkeit notwendig. Die Fähigkeit, auch andere von dieser Idee zu überzeugen. Die Fähigkeit, bei den eigenen Mitarbeitern das gleiche Feuer zu entfachen, damit diese in unendlichen Nachtschichten die Besessenheit in ein Produkt gießen. Auch wenn diese schon vor zehn Nachtschichten der Meinung waren, ein perfektes Produkt zu haben.

Mindestens genauso wichtig ist es, Kapitalgeber davon zu überzeugen, dass die zunächst klitzekleinen Unterschiede langfristig gewaltige Vermögen schaffen können. Und die dafür notwendigen Investitionen daher notwendig sind und zum langfristigen Erfolg beitragen.

Genau das macht die Umsetzung so schwer. Über Jahre hinweg Besessenheit und Überzeugungsfähigkeit in einer Person zu vereinen, ist eine außergewöhnliche Leistung. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum nur sehr wenige so erfolgreich sind wie die genannten Berühmtheiten.

Oder, um es im Sinne von Warren Buffett auszudrücken, die Idee dahinter ist simpel, die Umsetzung verdammt schwer.

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Offenlegung: Sven besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Spotify.

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