Kliniken kämpfen mit Personalnot auf Intensivstationen

Pflege auf einer Intensivstation

Die Krankenhäuser in Deutschland haben nach eigenen Angaben mit Engpässen bei den Pflegekräften auf den Intensivstationen zu kämpfen. 53 Prozent der Kliniken haben Probleme, Pflegestellen in diesen Abteilungen zu besetzen, wie aus einer am Dienstag von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) vorgestellten Studie hervorgeht. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte bessere Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte, um die Beschäftigten im Job zu halten.

Bundesweit sind der Studie zufolge 3150 Stellen in den Kliniken unbesetzt. Die Krankenhausgesellschaft forderte mehr Geld, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen. DKG-Präsident Thomas Reumann sagte: "Ohne ausreichende Finanzmittel und ohne gemeinsame Aktivitäten, um das Berufsbild Pflege weiter positiv zu besetzen, werden wir den Fachkräftemangel nicht bekämpfen können."

Nach einem kürzlich beschlossenen Gesetz gelten für pflegeintensive Bereiche in den Krankenhäusern künftig Personaluntergrenzen. Wer mehr Personal fordere, müsse auch die Refinanzierung sichern, erklärte Reumann.

Die Krankenhausgesellschaft forderte zudem eine Entlastung des Personals von Bürokratie. Mit einem Sonderprogramm "Digitales Krankenhaus" müsse die Digitalisierung vorangetrieben werden. Damit soll das Personal etwa bei Aufgaben zur Dokumentation entlastet werden.

Für die Untersuchung des Deutschen Krankenhaus Instituts (DKI) wurden zwischen September und November vergangenen Jahres 1261 repräsentativ ausgewählte Kliniken angeschrieben. Von ihnen schickte ein Viertel den zwölfseitigen Fragebogen zurück.

Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler erklärte, die Probleme in den Krankenhäusern seien "hausgemacht". Wegen der viel zu dünnen Personaldecke verließen viele junge Pflegekräfte den Beruf, Beschäftigte reduzierten die Arbeitszeit, weil die Belastung in Vollzeit zu groß sei.

Regelmäßig werde gegen Vorschriften des Arbeits- und Gesundheitsschutzes verstoßen. Pflegekräfte seien überdurchschnittlich häufig und auch länger krank als andere Berufsgruppen. Besonders stark seien sie von psychischen Erkrankungen betroffen.

"Statt den Fachkräftemangel in der Pflege zu beklagen, muss zügig gehandelt und die Arbeits- sowie Ausbildungsbedingungen verbessert werden", erklärte Bühler. Die DKG müsse bei den Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband zu Personaluntergrenzen "Nägel mit Köpfen" machen.