Klimaaktivistin wirft Siemens nach Rede auf Hauptversammlung Untätigkeit vor

Demonstrant vor der Olympiahalle München

Die Klimaaktivistin Helena Marschall hat sich nach der Siemens-Hauptversammlung enttäuscht über den Konzern gezeigt. "Irgendwie wurde ich nicht so richtig gehört", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP am Mittwochabend nach ihrer Rede vor Investoren und Vorständen in München. Die Schülerin hatte für die Jugendbewegung Fridays for Future an dem Aktionärstreffen teilgenommen und die Klimapolitik der Siemens-Spitze um Konzernchef Joe Kaeser kritisiert.

Das Münchner Unternehmen spürt seit Wochen Gegenwind wegen der umstrittenen Beteiligung an einem Kohleprojekt des indischen Adani-Konzerns in Australien. Siemens hat einen Vertrag für die Bereitstellung der Schienensignalanlage einer im Bundesstaat Queensland geplanten, riesigen Kohlemine. Dagegen demonstrierten vor der Münchner Olympiahalle Fridays for Future und andere Umweltschutzgruppen, während drinnen auf der Versammlung auch Anteilseigner den Vorstand kritisierten.

Marschall appellierte auf dem Treffen nach eigenen Angaben an die Verantwortung des Konzerns für das Erreichen der Klimaziele. "Ich wollte ganz klar machen, dass ein Unternehmen wie Siemens, das sich in einer Vorreiterrolle sieht, auch die richtigen Schritte machen und vorgehen muss", sagte sie.

Die Siemens-Verantwortlichen müssten sich den "wissenschaftlichen Rahmenbedingungen unserer Zeit" anpassen und eine Erderwärmung um höchstens 1,5 Grad zur "Leitlinie für alle ihre Handlungen und Verträge" machen. "Leere Versprechen über Nachhaltigkeit" brächten wenig, wenn auf der Hauptversammlung "die logischen Konsequenzen nicht gezogen werden".

Kaeser hatte unmittelbar vor Beginn der Hauptversammlung gesagt, es sei "fast grotesk, dass wir durch ein Signaltechnik-Projekt in Australien zur Zielscheibe zahlreicher Umweltaktivisten geworden sind". In der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagsausgabe) entgegnete Marschall, es sei "grotesk, dass weiter auf fossile Energien gesetzt wird".

Mit dem vergleichbar kleinen Auftrag für 18 Millionen Euro ermögliche Siemens, dass noch 60 Jahre lang Kohle abgebaut werde. "Kaeser macht Versprechen, dass sein Konzern klimaneutral wird, handelt aber nicht danach", kritisierte die Schülerin und forderte einen entsprechenden "Ausstiegsplan".