Werbung

Klimaaktivistin sorgt für Kopfschütteln in "Markus Lanz"-Runde: "Sie bringen Menschen gegen sich auf"

Pauline Brünger, Sprecherin von Fridays for Future, rechtfertigte bei "Markus Lanz" die Klimproteste in Lützerath. (Bild: ZDF)
Pauline Brünger, Sprecherin von Fridays for Future, rechtfertigte bei "Markus Lanz" die Klimproteste in Lützerath. (Bild: ZDF)

Nicht nur der plötzliche Rücktritt von Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht, sondern auch ihr Nachfolger Boris Pistorius wurden am Dienstagabend bei Markus Lanz heftig diskutiert. Zum Schluss der Sendung ging es um die Klimaproteste in Lützerath.

In ihrem Amt als Bundesverteidigungsministerin erlaubte sich Christine Lambrecht (SPD) bis zuletzt gravierende Fehler, die schließlich zu ihrem Rücktritt führten. Die Politikerin, die von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in das wichtige Amt gehoben wurde, zeigte sich nach ihrer Entlassung fast schon erleichtert. Wer ihren Posten übernehmen wird? Boris Pistorius (SPD). Der neue Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt wurde für seine direkte Art zwar vielfach gelobt, bei "Markus Lanz" wurde die Personalie am Dienstagabend dennoch heiß diskutiert.

Nicht nur der ZDF-Moderator, sondern auch RTL-Politikchef Nikolaus Blome hätten sich eine außerparteiliche Lösung gewünscht. Lanz erklärte: "Am Kabinettstisch dürfen nur die Besten sitzen. Müsste man nicht radikal anders denken?" Blome stimmte zu und ergänzte: "Frau Lambrecht ist es nicht gelungen, anzukommen und den Laden in den Griff zu kriegen." Militär-Experte Sönke Neitzel ergänzte, dass er den Abtritt von Christine Lambrecht für lange überfällig hält, denn: "Wir haben zu wenig Fachexpertise."

Wer laut Markus Lanz gut in die Rolle des Verteidigungsministers passen würde? FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Die Politikerin wiegelte jedoch ab und erklärte: "Die Frage hat sich nie gestellt. Es war klar, dass der Bundeskanzler auf einen SPD-Kollegen zurückgreift, der das macht." Sie ergänzte lachend: "Das ist eine sehr kühne Frage, Herr Lanz."

Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte zur Neubesetzung im Kabinett: "Das Verteidigungsministerium ist kein Posten, für den die Leute Schlange stehen. Ich hätte es gemacht, aber es stand nie zur Debatte." (Bild: ZDF)
Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte zur Neubesetzung im Kabinett: "Das Verteidigungsministerium ist kein Posten, für den die Leute Schlange stehen. Ich hätte es gemacht, aber es stand nie zur Debatte." (Bild: ZDF)

Strack-Zimmermann: "Sie wollen doch nur die Überschrift: 'Ich wäre die Bessere gewesen'."

Der Moderator ließ sich jedoch nicht so leicht abwimmeln und hakte nach: "Wären Sie die richtige gewesen? Sie könnten das doch!" Strack-Zimmermann konterte daraufhin: "Das ist doch nicht die Frage. Sie wollen doch nur die Überschrift: 'Ich wäre die Bessere gewesen'. Das ist eine Ausnahmesituation. Das Verteidigungsministerium ist kein Posten, für den die Leute Schlange stehen. Ich hätte es gemacht, aber es stand nie zur Debatte. Ich bin nachts ganz ruhig eingeschlafen, weil das ist eine Aufgabe, die ist gigantisch. Am Ende könnte es um Leben und Tod gehen."

Über den designierten Verteidigungsminister Pistorius sagte Strack-Zimmermann derweil bei "Markus Lanz": "Ich könnte mir vorstellen, er kann es. Ich wünsche ihm viel Glück und hoffe, dass er nicht der lange Arm des Bundeskanzlers wird und stattdessen die Interessen des Militärs vertritt." Dagegen war Nikolaus Blome anderer Meinung. Er behauptete mit strengem Blick: "Er bringt das nötige militärische Wissen nicht wirklich mit."

"Christine Lambrecht hat sich gejagt gefühlt und das wurde sie auch"

Mit Blick auf Ex-Verteidigungsministerin Lambrecht fand Strack-Zimmermann überraschend versöhnliche Worte und sagte: "Sie hat sich gejagt gefühlt und das wurde sie." Lanz ergänzte: "Ich finde, dass Sie recht haben. Es war hart, wie man mit ihr umgesprungen ist. Aber das ist genau der Job. Wenn du das nicht aushältst, dann bist du auf der falschen Position." Während die FDP-Politikerin und der ZDF-Moderator vor allem Olaf Scholz die Schuld für das Versagen von Lambrecht gaben, warnte Nikolaus Blome jedoch davor, "Frau Lambrecht jetzt den Heiligenschein aufzusetzen".

Nach der Diskussion um die Besetzung des Postens als Verteidigungsminister lenkte Markus Lanz um und wurde ernster: "Heutiges Thema ist unter anderem auch der Krieg in der Ukraine, der bei zum Teil eisigen Temperaturen in unglaublicher Brutalität in der Ukraine weitergeführt wird." Die anwesenden Gäste waren alle der Meinung, dass die Bundesregierung schnellstmöglich die sogenannten Leopard-Panzer in das vom Angriffskrieg gepeinigte Land schicken solle.

Militärexperte Sönke Neitzel gab jedoch zu bedenken: "Ich glaube, dass der Druck auf die Bundesregierung so groß wird, dass sie nicht zurück können. Es wird der Ukraine helfen, aber der Leopard-Panzer wird kein Gamechanger sein. Aber politisch ist das ein ganz, ganz wichtiges Signal. Ich hoffe, dass die Ukrainer das durchhalten. Ich würde mit Ihnen wetten, Herr Lanz, dass dieser Krieg 2023 noch nicht zu Ende geht."

Markus Lanz: "Das war intensiv"

Nicht zu Ende gehen wird auch die Diskussion um die Klima-Proteste im Land. Jüngtes Beispiel: Die außer Kontrolle geratene Demo in Lützerath. Hierzu war Klima-Aktivistin Pauline Brünger geladen und erklärte mit einer überraschenden Vehemenz, dass die Klima-Proteste "ausschließlich friedlich" seien: "Was wir tun, ist, dass wir einen großen friedlichen Protest organisieren. Es kommt immer wieder zu friedlichen Aktionen, bei denen wir die Regeln überschreiten, um Missstände aufzuzeigen." In Bezug auf das Pariser Klimaabkommen ergänzte die Sprecherin von Fridays for Future: "Das große Ziel, auf das wir uns geeinigt haben, das darf sich nicht verändern. Das ist ja kein nebensächliches Ziel! Aber durch diesen Deal mit RWE wird überhaupt nichts eingespart."

Trotz mehrmaligen Nachfragen von Markus Lanz wollte sich Brünger nicht von den teils brutalen Auseinandersetzungen mit der Polizei in Lützerath distanzieren. Im Gegenteil! Sie sorgte bei den anwesenden Gästen für Kopfschütteln, als sie klarstellte: "Wenn wir davon sprechen: 'Wofür muss die Polizei herhalten?' Das ist eine bewusste Strategie und wir wollen, dass sichtbar ist, was der Staat gerade tut."

FDP-Poltikerin Strack-Zimmermann wollte dies nicht umkommentiert lassen und erklärte mit ruhiger Stimme: "Durch solche Bilder bringen Sie bringen viele Menschen auch aus meiner Generation gegen sich auf. Das macht ihre Intention kaputt." Am Ende der Sendung zog Markus Lanz ein eher nüchternes Resümee und verkündete: "Eine Debatte, die uns noch lange begleiten wird. Das war intensiv."