Klimaaktivistin Neubauer mahnt: 'Klimakrise wartet keine Sekunde'

BERLIN (dpa-AFX) - Die Aktivistin der Klimaschutzbewegung Fridays for Future, Luisa Neubauer, warnt die Bundesregierung davor, in der zugespitzten Energiekrise auf mehr Kohlestrom und Atomkraft zu setzen und dabei den Kampf gegen die Erderhitzung hintanzustellen. "Die Klimakrise wartet keine Sekunde, sie eskaliert", sagte sie am Mittwoch bei n-tv - und verwies unter anderem auf die Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal mit Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe sowie auf die aktuellen, verheerenden Überschwemmungen in Pakistan. "Das ist sehr real, und wartet überhaupt nicht."

Zur Rolle der Grünen in der Ampel-Koalition sagte Neubauer, selbst Grünen-Mitglied: "Die Grünen können natürlich Kompromisse mit den Koalitionspartnern machen. Aber man kann eben nicht unbegrenzt Kompromisse mit dem Weltklima machen." Ihre Bewegung vermisse eine Regierung, die sage: Wir legen jetzt los. Die bisherigen Maßnahmen seien unzureichend. So sei es etwa unerklärlich, warum es weiter kein Tempolimit auf Autobahnen gebe. Beim Energiesparen könne Deutschland nicht länger wählerisch sein.

Im Sender Bayern 2 sagte Neubauer: "Jetzt kann doch die Antwort auf diese Energiekrise nicht noch mehr fossile Energien oder noch mehr Atomkraft sein. Sondern die Antwort darauf muss doch sein: Raus aus all diesen gestrigen und zerstörerischen Energieträgern. Und rein in das, was wirklich Frieden und Sicherheit schaffen kann."

In der ersten Hälfte des Jahres stammte fast ein Drittel des in Deutschland erzeugten Stroms aus Kohlekraftwerken. Ihr Anteil kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,3 Punkte auf nun 31,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch berichtete. Aber auch Windkraft und Photovoltaik legten deutlich zu, so dass sämtliche erneuerbaren Energieträger zusammen auf einen Anteil von 48,5 Prozent (erste Jahreshälfte 2021: 43,8 Prozent) kamen.