Klima-Expertin zu COP27: 'Wir haben zwei Tage - Stoppt die Heuchelei'

SCHARM EL SCHEICH (dpa-AFX) -Die französische Diplomatin Laurence Tubiana, die als Architektin des Pariser Klimaabkommens von 2015 gilt, macht Druck auf die Verhandler bei der laufenden Klimakonferenz in Ägypten. "Wir haben zwei Tage", sagte Tubiana am Donnerstag mit Blick auf die offiziell bis Freitagabend angesetzten Verhandlungen bei der COP27. "Stoppt die Heuchelei und Spielereien zu entscheidenden Fragen." Zwei Tage seien eine "sehr kurze Zeit" mit Blick auf das, was die Unterhändler in Scharm el Scheich jetzt erreichen müssten.

Tubiana ist Chefin der europäischen Klimastiftung und hatte das Pariser Abkommen von 2015 in führender Rolle mit ausgearbeitet. Darin hatten sich die Teilnehmer der Klimakonferenz von Paris darauf geeinigt, die Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Die laufende Klimakonferenz in Scharm el Scheich endet offiziell am Freitagabend. Schon jetzt wird über eine Verlängerung bis ins Wochenende spekuliert.

Bei den Forderungen armer Staaten nach Ausgleichszahlungen für ihre erlittenen Klima-Schäden müsse es innerhalb von 48 Stunden "ernsthafte Fortschritte geben", sagte Tubiana. "Wenn die Leute es ernst meinen, sollten sie berücksichtigen, dass Verluste und Schäden ein kollektives Problem sind, für das wir neue Mittel finden müssen."

Gerichtet an Energie-Unternehmen, die den Ausstieg aus fossilen Energieträgern nach eigener Aussage nicht "über Nacht" vollziehen könnten, sagte sie: "Seit wie vielen Nächten sagen Sie das? Wie viele Nächte und Jahre?" Die große Zahl an Lobbyisten aus der Öl- und Gasindustrie bei der Konferenz seien aber möglicherweise ein gutes Zeichen. Vielleicht wüssten diese jetzt, dass ihre Zeit abgelaufen sei.

Eine vergangene Woche veröffentlichte Datenanalyse der Umweltorganisation Global Witness und des Corporate Europe Observatory hatte ergeben, dass bei dem Klimagipfel in Ägypten 636 Lobbyisten für Öl, Gas und Kohle registriert sind. Das seien 25 Prozent mehr als bei dem Treffen vergangenes Jahr in Schottland.