Klettenberg: Kleingärtner sind enttäuscht von der Stadt – Verzögerung bei Sanierungen

Sie haben fünf Jahre lang für die Sanierung von Wasserleitungen gespart.

Erst war es ein Schock. Dann siegte die Vernunft. Vor fünf Jahren informierte die Stadtverwaltung die Mitglieder des Kleingartenvereins Klettenberg, dass sie einen Kraftakt bewältigen müssen. Die 50 Jahre alten Wasserleitungen unter der Kleingartenanlage seien marode und müssten saniert werden. Die Stadt erklärt sich bereit, das Geld für das Material und die Arbeitskosten an den Leitungen in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro zu übernehmen. Der Verein soll aber die Erdarbeiten bezahlen, geschätzte Kosten: 360.000 Euro. In der Anlage im Dreieck von Luxemburger Straße, Militärring und Bahngleisen sind mehr als 450 Gärten zu finden.

Nach dem ersten Schreck über diese Summe war den Kleingärtnern jedoch bald klar, dass die Reparatur dringend notwendig ist. Seit Jahren traten immer wieder Wasserrohrbrüche auf, ein deutliches Zeichen dafür, dass unter der Erde eine Aufgabe darauf wartete, endlich erledigt zu werden.

Wasserleitungen komplett saniert

Das Flickwerk sollte ein Ende haben. Der Kleingartenverein einigte sich mit der Stadt, dass die Wasserleitungen komplett saniert werden sollten. Statt des alten Systems, das aus einzelnen stabartigen Leitungen besteht, die die jeweiligen Gartenreihen mit Wasser versorgen, soll ein Ringwassersystem gebaut werden, das für fließendes statt in den Leitungen stehendes Wasser sorgt und hygienischer ist.

Das Amt für Grünflächen setzte fest, dass die Arbeiten 2017 beginnen sollten. Der Verein fand einen Weg, die Erdarbeiten zu finanzieren. "Wir haben extra unsere Satzung geändert, um zu ermöglichen, dass die Kosten der Erdarbeiten auf die Mitglieder umgelegt werden können", schildert Werner Becker, Vorsitzender des Kleingartenvereins. Jedes der rund 700 Vereinsmitglieder steuerte in den vergangenen fünf Jahren jährlich 100 Euro bei. Rund 350.000 Euro hat der Verein mittlerweile gespart, das Jahr der großen Reparatur neigt sich dem Ende zu – und die Kleingärtner warteten bislang vergeblich auf ein Zeichen der Stadt, mit der sie zu erkennen gibt, dass die Arbeiten beginnen.

Beunruhigt kontaktierte der Vereinsvorstand vor einiger Zeit den Kreisverband Kölner Gartenfreunde, der offizielles Sprachrohr der 144 Kölner Kleingartenvereine gegenüber der Stadt ist. Der Geschäftsführer des Verbandes, Michael Franssen, stieß nach mehrfachem Nachfragen schließlich auf eine komplizierte Geschichte: Das Gelände sei zwar bereits vermessen worden. Das hat nach Aussage der Stadtverwaltung aber viel länger gedauert als geplant. Dann sollte der Planungsauftrag erteilt werden. Er habe vorher aber noch dem Grünflächen- und dem Finanzausschuss des Rats zur Genehmigung vorgelegt werden müssen.

Aufgrund verwaltungsinterner Abstimmungen habe es der Planungsauftrag dann nicht mehr auf die Tagesordnung der Ausschüsse im Juli diesen Jahres geschafft und kann nun frühestens im September beschlossen werden. Die Stadt konkretisiert: Danach soll die Planung an ein externes Büro vergeben werden. Ist das gefunden, muss das Vorgehen mit dem Kleingartenverein abgestimmt werden. Dann werden die Bauarbeiten ausgeschrieben und ein Unternehmen beauftragt.

Nach Ratsbeschluss wird Projekt umgesetzt

Joachim Bauer, stellvertretender Leiter des Amts für Grünflächen, sieht wegen der verzögerten Planung keinen Grund zur Besorgnis. "Die Vorlage steht im September auf der Tagesordnung der Ausschüsse. Wir können nur im Rahmen der verfügbaren Finanzmittel agieren. So ist es auch im Vertrag mit dem Kreisverband festgelegt. Nach dem Ratsbeschluss wird das Projekt so schnell wie möglich umgesetzt", versichert er.

Der Verband und der Kleingartenverein sorgen sich allerdings weiter. "Wann es soweit sein wird, steht doch in den Sternen", urteilt Franssen. "Das ist natürlich für den Verein extrem frustrierend. Wenn man von vorneherein gesagt hätte, man könne nicht versprechen, dass es 2017 klappt, wäre das etwas anderes gewesen, aber wir müssen immer hinterherschreiben und nachhören", beklagt er.

Auch Werner Becker äußert Kritik: "Man hätte uns doch einfach von Anfang an sagen können, dass es diese oder jene Schwierigkeit gibt und sich der Beginn der Arbeiten verzögert, statt einfach nicht zu antworten. Wir fühlen uns veräppelt. Das ist keine bürger- und beratungsfreundliche Verwaltung." Er sieht noch ein anderes großes Problem: Wir müssen für die Arbeiten Verträge mit den Unternehmen unterzeichnen. Nun soll nächstes Jahr der Vorstand neu gewählt werden. Leider finden wir aber kein Vereinsmitglied, das sich zur Verfügung stellt."

Becker wollte das Amt nach 15 Jahren eigentlich gerne einem anderen überlassen. Nun wird er wohl oder übel weiter die Geschicke des Vereins leiten und sich über die immer gleichen Geschichten ärgern müssen. "Wir hatten gerade wieder einen Wasserrohrbruch. Ich wusste sofort Bescheid, als ich gesehen habe, dass sich das Erdreich in einem Garten schwarz verfärbt hatte. Wenn man so einen dunklen Fleck auf dem sonst vertrockneten Erdreich sieht, ist in der Regel ein Wasserrohrbruch die Ursache", sagt Becker. Er spricht aus Erfahrung.

Mehr Infos unter www.kgv-klettenberg.de.

Fünf Fragen an Michael Franssen

"Das Leben in den Gartenanlagen wird bunter"

Michael Franssen ist Geschäftsführer des Kreisverband Kölner Gartenfreunde e.V., also des Dachverbandes, zu dem alle 144 Kölner Kleingartenvereine gehören.

Was hat sich im vergangenen Jahrzehnt in den Kleingärten verändert?

Wir beobachten, dass sich vermehrt junge Familien mit Kindern für die Kleingärten interessieren. Man kann daher von einem langsamen Generationswechsel in den Gartenanlagen sprechen.

Welche Vorteile hat das?

Das Leben in den Gartenanlagen wird bunter und abwechslungsreicher. Darüber hinaus ist es sehr gut, wenn unsere Kinder im Kleingarten spielerisch lernen, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie angebaut werden.

Gibt es auch Nachteile?

Viele stellen sich das zu einfach vor und übersehen, dass ein Kleingarten bestellt werden muss. Die Pflanzen wachsen schnell und das überfordert viele Familien. Der günstige Preis der Gärten verlockt sie natürlich, einen Garten zu pachten, aber sie übersehen, dass dafür viel eigenes Engagement gefordert ist. Für die ehrenamtliche Tätigkeit im Vereinsleben selbst bleibt dann oft keine Zeit mehr. Wir haben in vielen Vereinen regelmäßig das Problem, Mitglieder zu finden, die sich bereit erklären, im Vorstand mitzuarbeiten.

Welche Pflichten kommen auf denjenigen zu, der Mitglied in einem Kleingartenverein wird und einen Garten pachtet?

Das Kleingartenwesen lebt von der Selbstverwaltung und diese erfordert ein ehrenamtliches Engagement. Nur so können die Kosten auf einem sozialverträglichen Niveau gehalten werden. Das bedeutet, dass jeder, der einen Kleingarten pachtet, neben dem Zeitaufwand für die Bewirtschaftung des eigenen Gartens auch gewisse Zeit für die Pächtergemeinschaft investieren muss. Dazu zählen die Gemeinschaftsarbeiten zur Pflege der Allgemeinflächen oder zur Instandhaltung der Anlage und natürlich auch eine Mitarbeit im Vorstand.

Wieviel Zeitaufwand bedeutet das in der Woche oder im Monat?

Für die Bewirtschaftung des Gartens benötigt man je nach Jahreszeit zwei bis vier Stunden die Woche. Für Gemeinschaftsarbeiten kann man je nach Größe der Kleingartenanlage zwischen fünf und 20 Stunden pro Jahr ansetzen. Engagement im Vorstand erfordert darüber hinaus weiteren Zeitaufwand.

Das Gespräch führte Susanne Esch...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta