Kleine Heldin im Kampf gegen die Rassentrennung in US-Schulen gestorben

Linda Brown (M) im Jahr 1964

Als Kind stand Linda Brown in den 50er Jahren im Zentrum eines Justizstreits um die Aufhebung der Rassentrennung an US-Schulen - jetzt ist sie im Alter von 76 Jahren gestorben, wie die schwarze Bürgerrechtsorganisation NAACP mitteilte. Die NAACP war 1954 maßgeblich am Zustandekommen des historischen Urteils des Obersten Gerichtshofs der USA beteiligt, das die Rassentrennung an Schulen für illegal erklärte.

Brown starb nach Angaben der NAACP in Topeka im US-Bundesstaat Kansas, wo der Rechtsstreit 1951 seinen Anfang nahm. Als Neunjährige musste Linda dort eine weit entfernte Schule für Schwarze besuchen, weil die Schule direkt vor ihrer Haustür nur Weiße aufnahm - damals eine Normalität in den Südstaaten. Ihr Vater Oliver Brown zog daraufhin mit der Unterstützung der NAACP und anderer Eltern vor Gericht. Seine und ähnliche Sammelklagen in anderen US-Bundesstaaten landeten schließlich vor dem Supreme Court.

In ihrem historischen Urteil Brown v. Board of Education kamen die Richter am 17. Mai 1954 zu dem Schluss, dass die Rassentrennung in Schulen gegen das von der Verfassung garantierte Grundrecht auf Gleichbehandlung verstoße.

Sherrilyn Ifill, eine Vertreterin der NAACP, sprach am Montag vom "wichtigsten Supreme-Court-Urteil des 20. Jahrhunderts". Sie würdigte die Verstorbene als eine der "heldenhaften jungen Menschen, die gemeinsam mit ihrer Familie mutig kämpften, um das ultimative Symbol weißer Vorherrschaft zu beenden: die Rassentrennung in öffentlichen Schulen". Sie stehe beispielhaft dafür, "wie normale Schulkinder maßgeblich zur Veränderung des Landes beigetragen haben".

Linda Brown wurde später selbst Lehrerin, unterrichtete Klavier und arbeitete mit der 1988 gegründeten Brown Stiftung zusammen, die sich um das Erbe des historischen Urteils kümmert. Zur Todesursache machte die NAACP keine Angaben. Während die Organisation Browns Alter mit 76 angab, wurde sie anderen Angaben zufolge 75 Jahre alt.

Der Gouverneur von Kansas, Jeff Colyer, würdigte Browns Vermächtnis: Ihr Leben erinnere daran, dass manchmal die "Menschen, von denen es am wenigsten erwartet wird, eine unglaubliche Wirkung" entfalten könnten und "wir wirklich die Welt verändern können, wenn wir unserer Gemeinschaft dienen", erklärte er auf Twitter.

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU erklärte, das Brown-Urteil habe "Amerika zu einem Hoffnungsträger für den Rest der Welt gemacht". "Es hat uns gelehrt, dass Unterdrückung und ein rassenbasiertes Kastensystem mit den Mitteln des Rechtsstaates beendet werden können."

Doch obwohl die Rassentrennung in Schulen mit dem Urteil von 1954 illegal wurde, dauerte es noch viele Jahre, bis gemeinsame Schulbesuche von Schwarzen und Weißen in den USA Normalität wurden. Präsident Dwight D. Eisenhower setzte 1957 Soldaten ein, als der Gouverneur von Arkansas afroamerikanischen Schülern den Zugang zu einer High School in Little Rock verbot.

Die Tatsache, dass Schwarze und Weiße weiterhin in unterschiedlichen Wohngebieten lebten, führte zudem dazu, dass die Rassentrennung in den Schulen de facto andauerte. Um gegenzusteuern, wurden Kinder mit Bussen in weiter entfernt gelegene Schulen gebracht.