Der kleine Bruder tritt endlich aus dem Schatten

Robin Ahlert, Alexandra Müller

Die Dallas Mavericks spielen eine gute Saison. Mit einer Bilanz von 32 Siegen bei 21 Niederlagen liegen sie in der Western Conference aktuell klar auf Playoff-Kurs.


Nachdem die Mavs die letzte Saison noch auf dem vorletzten Platz beendet hatten, ist eine deutliche Aufbruchsstimmung zu erkennen. Neben den offensichtlichen Gründen, wie dem direkten Sprung Luka Doncics vom Rookie of the Year zum All-Star oder der Rückkehr des wiedergenesenen Kristaps Prozingis auf den Court, sind es vor allem kleinere Additionen im letzten Sommer, die aus den Mavericks wieder einen Playoff-Kandidaten gemacht haben. 

Eine dieser Additionen ist Seth Curry.

Curry: Scharfschießen liegt in der Familie

Der jüngere Bruder von Golden States Superstar Stephen Curry ist nach einem Jahr bei den Portland Trailblazers wieder nach Texas zurückgekehrt. Zusammen mit Spielern wie Delon Wright, Maxi Kleber oder Altmeister J.J. Barea ist Curry Teil der, am Net-Rating gemessenen, viertbesten Bank der NBA. Curry fungiert dabei hauptsächlich als Distanzschütze, der dem Team das in der heutigen NBA immer wichtiger werdende Spacing (Auseinanderziehen der Verteidigung) gibt.

Gegen die Charlotte Hornets bewies Curry zuletzt wieder eindrucksvoll seine Fähigkeiten von jenseits der Dreierlinie, als er mit 26 Punkten fast allein dafür sorgte, dass Dallas auch ohne seine beiden Stars Doncic und Porzingis ungefährdet mit 116:100 gewinnen konnte.

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Curry traf dabei sechs Dreier. Bei nur acht Versuchen machte das eine überragende Quote. Damit überholte Seth Curry auch seinen Bruder Steph als besten aktiver Dreierschützen der NBA. Der jüngere der beiden Curry-Brüder liegt nun bei einer Karriere-Quote von 43,6 Prozent. Der Warriors-Star hingegen kommt "nur" auf 43,5 Prozent.

Selbst wenn der Unterschied nicht gravierend ist, ist es vor allem symbolisch der vielleicht letzte Schritt heraus aus dem Schatten seines großen Bruders. 

Im Schatten des Bruders

Während Stephen mit seinen Golden State Warriors reihenweise Titel und MVP-Trophäen einheimste, tingelte Seth durch die NBA. Sechs Teams hat der 29-Jährige nach sieben Jahren schon in seiner Vita stehen. Bis auf seine erste Spielzeit in Dallas, wo ihn eine Verletzung die komplette zweite Saison kostete, blieb er nie länger als ein Jahr Teil des gleichen Teams. Trotz seines unbestreitbaren Potenzials blieb ihm der Durchbruch jahrelang verwehrt. Bis jetzt. Gefühlte drei Jahre zu spät.


Schließlich spielte Curry bei seinem ersten Stop in Dallas 2016/2017 seine beste Saison. Der Flügelspieler legte knapp 13 Punkte und drei Assists auf und lief ab Mitte der Saison sogar als Starter auf der Position des Point Guards auf. Die Verletzung, die sich letzten Endes als Stress-Fraktur im linken Bein herausstellte, kostete ihn nicht nur die ganze folgende Saison, sondern auch einen längerfristigen Vertrag an der Seite von Dirk Nowitzki.

Über den Umweg Portland Trail Blazers, bei denen Curry seine damaligen Ansätze bestätigte, ist er nun zurück in Texas und macht da weiter, wo er vor drei Jahren aufgehört hatte. Was nur logisch ist, da Curry das Umfeld und vor allem das System von Head Coach Rick Charlisle schon kennt, könnte man meinen? Mitnichten.

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Alte Stärken im neuen System

"Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht" sagte Curry bei The Athletic, angesprochen auf die jetzige Spielweise der Mavs im Vergleich zu seiner ersten Zeit in Dallas. Vor allem die Geschwindigkeit habe sich deutlich erhöht.

Nicht verwunderlich, wenn man einen Blick auf das Roster der Saison 2016/2017 wirft. Ein 38 Jahre alter Dirk Nowitzki als Basketball-Methusalem oder weitere alternde Stars wie Deron Williams konnten einfach kein extrem hohes Tempo mehr gehen.


Mit Doncic ist bei den Mavs eine neue Ära angebrochen. Ihr Stil ist deutlich schneller und kreativer geworden - das kommt nicht zuletzt Curry entgegen. Und noch eine weitere Tatsache spielt dem 29-Jährige in die Karten: Carlisle ist kein Freund eines Systems, bei dem wenige die Hauptlast tragen. Alle Spieler auf dem Court sind involviert.

Carlisle schwärmt von Curry

Wie wichtig Curry für die Mavs ist, weiß Carlisle - spätestens nach dem Erfolg gegen die Hornets: "Er war großartig. Er bringt eine Dimension ins Spiel, die einzigartig ist. Er ist nicht nur ein Shooter, er ist ein Spielmacher und Anführer. Und er ist ein unterschätzter Verteidiger. Er ist besonders. Ein wirklich besonderer Spieler." Curry selbst gibt sich bescheiden. "Du willst rausgehen, eine gute Show liefern und Spaß haben. Zum Glück ist es das, was gerade passiert." 

Eine Show kann auch dieser Curry definitiv abliefern.