Klaus Wowereit – „Die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften zu verkaufen, war ein Fehler“

Berlins ehemaliger Bürgermeister Wowereit sieht die Wohnsituation in Berlin sehr kritisch. Er habe das Problem während seiner Amtszeit unterschätzt.

Berlins ehemaliger Bürgermeister Klaus Wowereit lässt seine Amtszeit durchaus kritisch Revue passieren. Vor allem die aktuelle Wohnungsnot und die stark steigenden Mieten seien ein massives Problem, was er in seiner Amtszeit falsch eingeschätzt habe.

„Hätten wir im vergangenen Jahrzehnt gewusst, dass Berlin so enorm wachsen würde, hätten wir keine öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften verkauft. Aus heutiger Sicht war das ein Fehler“, gibt er in einem Interview mit der Zeitung „Tagesspiegel“ zu.

Dennoch fordert er von den Berlinern, sich mehr für ihre Stadt einzusetzen und nicht den früheren Zeiten nachzutrauern. Denn „diese Stadt hat nur in der Veränderung eine Chance.“


Der für markige Sprüche bekannte Politiker („Ich bin schwul, und das ist auch gut so“ oder „Berlin ist arm, aber sexy“) hatte schon vor seinem Rückzug angedeutet, dass er sich politisch weiterhin für Berlin engagieren werde.

Rund drei Jahrzehnte war Wowereit Berufspolitiker und mehr als 13 Jahre Regierender Bürgermeister. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa gab er zu, sich mit dem Ruhestand arrangiert zu haben. Für den 65-Jährigen sei es eine neue Erfahrung gewesen, selber verantwortlich für seinen Terminkalender zu sein: „Keine Pflichttermine zu machen, nur das zu machen, was einem selber auch Freude macht“, erzählte Wowereit.

Er könne nun mit seinem Partner Jörn Kubicki und alten Freunden das Leben gestalten. Daher sei er nach wie vor der Meinung, dass es 2014 richtig gewesen sei, mit der Politik aufzuhören, auch wenn ihm das damals nicht leicht gefallen sei. „Politiker oder andere Prominente denken ja immer, ohne sie geht es nicht. Und alles ist neu “, fügte er hinzu. Die Freizeit habe er auch dazu genutzt, zu reisen und unter anderem ein Buch mit dem Titel „Sexy, aber nicht mehr so arm. Mein Berlin“ zu schreiben.

Darin beschreibt er den dunkelsten Tag seiner Amtszeit im Mai 2012, als er die Eröffnung des BER Flughafens verschieben musste. Noch heute würde er auf die Fehlplanung angesprochen. „Das muss ich ertragen“, erklärte er.

Um seine Partei macht er sich sorgen und fordert: „Die SPD hat sehr viel Vertrauen bei ihren potenziellen Wählern verloren, nun muss sie entscheiden: Wollen wir eine linke Volkspartei sein oder wollen wir wieder mehr in Richtung Mitte schielen. “, Er sieht die Lösung in einer linken Volkspartei – „nur dann haben wir eine Chance.“

Überhaupt gebe es immer weniger Politiker mit Ecken und Kanten. „Könnten Sie mir aus dem Stand heraus alle 16 Ministerpräsidenten in Deutschland nennen? Selbst mir würde es schwer fallen“, fügte er beispielhaft hinzu.

Der Politikbetrieb habe ein wesentliches Problem: Es fehle die Zeit, „Grundsatzfragen in Ruhe zu diskutieren, auch intern, ohne das alles gleich herum getwittert wird.“