Klatschen für die Lobby: Das steckt hinter #Abfckprämie

Die Autoindustrie fordert staatliche Unterstützung. Klimaaktivisten protestieren nun gegen die "Autoprämie". (Symbolbild: Getty)

Klatschen statt Geld. Das wünschen sich Klimaaktivisten für die Autoindustrie, die heute mit der Bundesregierung verhandelt. Deshalb starteten sie eine Protestaktion unter dem Hashtag #Abfckprämie.

Vielen Menschen kommen die Forderungen der Automobilindustrie fast zynisch vor. Der Branchenverband VDA forderte von der Bundesregierung vor dem sogenannten “Autogipfel” im Kanzleramt eine Autopämie, um die Branche vor den Folgen der Corona-Krise zu bewahren. Auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer sah in den Verhandlungen eine symbolische Richtungsdebatte. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sagte Neubauer: “Der Autogipfel ist jetzt ein Richtungsgipfel, der offen legt, wie ernst der Kanzlerin eine klimaverträgliche, nachhaltige und gerechte Coronapolitik tatsächlich ist.” Sie nannte die Autoprämie eine “maximal unverantwortliche Idee - ökologisch, aber auch ökonomisch”.

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Als Fridays-for-Future-Aktivistin hat Neubauer gelernt, wie man mit ungewöhnlichen Aktionen Aufmerksamkeit für wichtige Themen erzeugen kann. In Anlehnung an die sogenannte Abwrackprämie, mit der die Autoindustrie nach der Finanzkrise 2009 eine Finanzspritze der Regierung bekommen hatte, tauften die Aktivisten den neuen Deal kurzerhand in “Abfckprämie” um. Der zugehörige Hashtag verbreitete sich auf den Sozialen Medien. Dazu kam der Aufruf, am gestrigen Montag um 18 Uhr aus den Fenstern zu klatschen. Luisa Neubauer selbst postete ein kurzes Video von sich beim sarkastischen Applaudieren mit dem Hashtag #KlatschenFürDieLobby. Der abendliche Applaus aus den Fenstern hatte sich zuvor weltweit als Zeichen der Unterstützung für Krankenhaus- und Pflegepersonal in der Corona-Krise etabliert.

Hintergrund der Klatschaktion ist die Kritik, dass sich allein durch den freundlich gemeinten Applaus für Pflegekräfte noch nichts ändert. Im Gegenteil, sie würden Applaus statt Geld bekommen. Diese Logik münzten die Aktivisten nun auf die Autoindustrie um. Viele andere User schlossen sich dem Protest an und ließen ihrer Empörung freien Lauf.

Die Klimaaktivisten von Fridays for Future protestierten am Dienstag bei Volkswagen in Wolfsburg protestieren. Auch in Berlin, wo der “Autogipfel” stattfindet, bei Audi in Ingolstadt und bei BMW in München fanden Demos statt.

Neubauer betonte: “Wem die Jobs wirklich am Herzen liegen, der sorgt dafür, dass die Industrien in Deutschland krisenfest und zukunftssicher werden und sich an die Spielregeln des 21. Jahrhunderts halten” Das Ziel der Bundesregierung müsse eine “echte Mobilitätstransformation” und die Abschaffung von fossilen Brennstoffen bis 2035 sein.

Video: Klingel-Demo gegen Abwrackprämie vor dem Kanzleramt