Patriots-Debakel: Brady vernichtet Mitspieler

Tim Brack, Eric Böhm
Tom Brady landet mit den Patriots zum Saisonstart böse auf dem Boden der Realität

Der Meister New England Patriots hat seinen Start in die NFL-Saison verpatzt. Gegen die Kansas City Chiefs kassierte die Mannschaft um Quarterback Tom Brady eine deutliche 27:42 (14:17)-Niederlage (Spielplan der NFL).


Für die als haushoher Favorit gestarteten Patriots, denen nicht wenige Experten eine perfekte Saison mit 19 Siegen zugetraut hatten, war es eine katastrophale Bruchlandung. Dabei offenbarte der Meister einige Schwachpunkte.

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Brady schwächelt und kritisiert

Zum vielleicht ersten Mal in seiner langen Karriere war Brady sein Alter anzusehen. Der 40-Jährige verpasste einige Würfe (zum Beispiel auf Chris Hogan), ihm fehlte Lieblingsreceiver Julian Edelman (Kreuzbandriss) vor allem in den engen Situationen vor der Endzone oder bei dritten und vierten Versuchen.

Erschwerend hinzu kam, dass Chiefs-Safety Eric Berry Rob Gronkowski mit einer herausragenden Vorstellung praktisch völlig aus dem Spiel nehm. Zudem verpasste "Gronk" den potenziellen Touchdown zum 14:0  - ein Wendepunkt der Partie.

"Es fühlt sich schrecklich an", sagte Brady mit versteinertem Gesicht und fällte ein vernichtendes Urteil: "Die einzigen Jungs, die etwas dagegen tun können, sitzen jetzt in der Kabine. Wir müssen einfach härter arbeiten, so wie heute reicht das nicht. Wir müssen speziell Einstellung und Wettkampfhärte dringend verbessern. Das war nicht die Einstellung eines Meisters."

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Einstellungsprobleme? Das kam in der Ära von Head Coach Bill Belichick wohl noch nie vor - gleiches gilt für 42 abgegebene Punkte und 537 zugelassene Yards.

Patriots-Verteidigung mit schwacher Leistung

Seine Defense - 2016 noch die punktbeste der NFL - offenbarte teils riesige Löcher. Die Defensive Ends waren die prognostizierten Schwachpunkte, aber auch die Linebacker funktionierten nicht. Niemand bekam Chiefs-Rookie Kareem Hunt auch nur ansatzweise unter Kontrolle (SERVICE: SPORT1 erklärt die NFL-Begriffe).

Der 22-Jährige (3 Touchdowns) stellte zudem einen Rekord auf: Seit der Gründung der NFL schaffte es kein Rookie, bei seinem Debüt 246 Yards Raumgewinn zu erzielen. Bis zu seiner Verletzung spielte Super-Bowl-Held Dont'a Hightower ungewohnt als Outside Linebacker und blieb meist wirkungslos. Neuzugang David Harris schaffte es nicht, die Mitte dicht zu bekommen.

Außerdem ließ sich auch die hochgelobte Passverteidigung mit Malcolm Butler und Neuzugang Stephon Gilmore immer wieder von Receiver Tyreek Hill düpieren - speziell Gilmore bei Hills langem Touchdown.

Chiefs drehen im letzten Viertel auf 

Zur Pause hatten die Patriots noch mit drei Punkten geführt, doch die Gäste aus Kansas City drehten nach der Halbzeit richtig auf. Im dritten Viertel machten sie schon drei Punkte mehr, im letzten Viertel führten sie die Patriots vor.

Quarterback Alex Smith warf insgesamt vier Touchdowns, davon zwei sehr sehenswerte lange Pässe. Insgesamt brachte der 33-Jährige 28 seiner 35 Pässe an die Mitspieler und warf für 368 Yards. 21 Punkte gelangen seinem Team in den letzten 15 Minuten. Die Patriots schafften es in der Schlussphase dagegen nicht ein Mal, Punkte auf die Anzeigetafel zu bringen (Tabelle der NFL).


Auch eine Führung zur Pause verspielte New England im Gillette Stadium in 82 Spielen noch nie. Selbst die 15 Chiefs-Strafen für 139 Yards halfen dem Team von Belichick am Ende nicht. 

Verletzungssorgen auf beiden Seiten

"Ich muss besser coachen, wir müssen besser trainieren, wir müssen besser spielen", sagte der Patriots-Trainer. "Wir haben kaum etwas gut genug gemacht, um heute einen Sieg verdient zu haben." 

Weiterer Wermutstropfen für die Patriots: Hightower verletzte sich im dritten Viertel am Knie, bei Receiver Danny Amendola besteht Verdacht auf Gehrinerschütterung. Der junge Malcolm Mitchell war bereits vor dem Spiel mit einer Knieverletzung auf der Verletztenliste gelandet.


Auf Seiten der Chiefs musste Star-Safety Berry im letzten Viertel mit einer Verletzung vom Feld gebracht werden. Der Verdacht: Riss der Achillessehne. 

Und der üble Verdacht bestätigte sich wenig später. Für den Leistungsträger ist die Saison nach dem sensationellen Auftakt damit schon wieder beendet.

Berry hatte in der Saison 2015 sein Comeback nach einer Krebserkrankung gegeben, die im November 2014 bei ihm diagnostiziert worden war.