Klassik in Berlin: Barenboims Staatskapelle mit eindrucksvollem Konzert

Daniel Barenboim

Daniel Barenboim gibt einen sanften Einsatz. Geheimnisvoll klingen die leeren Quinten und das Crescendo zu Beginn von Beethovens Neunter Sinfonie. Jedes Jahr gestalten die Staatskapelle und ihr Chefdirigent unter dem Motto "Staatsoper für alle" ein Open-Air-Konzert bei freiem Eintritt. Diesmal feiern die Musiker mit mehr als 45.000 Zuhörern den Wiedereinzug in ihr renoviertes Opernhaus. Intendant Jürgen Flimm winkt fröhlich ins Publikum, und der Regierende Bürgermeister Michael Müller spricht ihm aus dem Herzen, wenn er sagt: "Sieben Jahre waren eine lange Zeit…"

40.000 Besucher kommen zur "Staatsoper für alle"

Beethoven hat mit seiner Neunten keine Begleitmusik für Festakte, Sportereignisse und den Jahreswechsel geschrieben. Das ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Als er sein Werk komponierte, hat er an den Menschen und den politischen Verhältnissen gezweifelt. Er wollte wachrütteln, ein ideales Gegenbild entwerfen: die Welt, wie sie sein könnte. Barenboim und seine Musiker vermitteln das eindrucksvoll. Sie verehren Beethoven nicht als Nationalkomponisten, sondern als Fragenden.

Die Musiker tragen in den vier Sätzen handfeste Konflikte aus. Sie leuchten tief in Beethovens komplexe Gefühlswelten hinein. Im Allegro finden sie nicht nur die "Welt ohne Freude" wie Richard Wagner. Barenboim hegt besonders die lyrischen Pflänzchen und die zwischen Dur und Moll changierenden Holzbläser-Kantilenen. Statt dramatischer Kämpfe findet hier ein subtiles Ringen statt. Auf den rasenden...

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