Klangprobe: Woman – Kölner Männerband mit weiblichem Touch

Das Trio Woman lässt sich ungern in stilistische Schubladen stecken.

Die drei Jungs von "Woman" haben im Verlauf ihrer Karriere schon viele Genre-Stempel aufgedrückt bekommen: Die einen attestieren ihnen einen souligen Sound, Psychedelia oder Disco Einflüsse; die anderen nennen sie eine Pop/Funk/Elektro-Band. So ganz eindeutig ist die Sache nicht. "Aus Faulheit beantworten wir die Genre-Frage einfach mit »Pop«, sagt Sänger Carlos Hufschlag. "Wir machen Pop in Indie-Strukturen", spezifiziert Milan Jacobi, der Schlagzeuger. "Ja", sagt Hufschlag. "Aber das klingt so unsexy." Wohlbemerkt das was draufsteht - und nicht das, was drinsteckt. So sahen das zumindest die Juroren des Pop-NRW-Preises, die die Band in diesem Jahr in der Kategorie "Outstanding Artist" auszeichneten.

Damit geht eine Erfolgsgeschichte weiter: 2015 hatte das Trio - neben Hufschlag und Jacobi komplettiert durch Gitarrist Manuel Tran - bereits den Preis für den "Best Newcomer" erhalten. Damals spielt "Woman" erst etwa ein Jahr in der aktuellen Besetzung; sie nutzen das Preisgeld von 2 500 Euro, um nach Wien zu fahren und mit dem Bilderbuch-Produzenten Xebo Adam zusammenzuarbeiten. "Vorher wäre es gar nicht denkbar gewesen, dass wir drei Wochen irgendwo hin fahren. Das war für uns eine sehr lange Zeit", erzählt Hufschlag. Er lacht. "Wir haben überlegt, wie wir das unseren Arbeitgebern sagen sollen. Es dauert lange, bis man das Selbstverständnis hat, dass man so etwas machen kann."

2017 kam das erste Album

Seitdem hat sich einiges verändert. Im Frühjahr 2016 veröffentlicht "Woman" die erste EP, im Mai diesen Jahres dann das erste eigene Album: "Happy Freedom", erschienen bei Asmara Records, einem Label von Freunden. Etwa 25 bis 30 Konzerte haben sie in diesem Jahr gespielt. "Diese Woche ist die erste freie Woche seit... ich weiß gar nicht wann", sagt Hufschlag. Jacobi denkt nach. "Anfang Juni?"

Jetzt, wo die Festivalsaison vorbei ist, werden sie die Zeit nutzen, um - abseits der Musik - zu arbeiten. Die Zeiten, in denen man mit Musik Geld verdient habe, so Hufschlag, die seien vorbei. Auch musikalisch hat sich die Band im Laufe der Jahre verändert: Das Album klingt im Vergleich zur EP rockiger, weniger elektronisch. "Und allein technisch hat sich so viel getan", sagt Jacobi. "Als wir angefangen haben, hatte ich fünf Jahre kein Schlagzeug mehr gespielt." Auch Hufschlag wechselte für die Band das Metier: Zuvor war er hauptsächlich im Bereich Techno unterwegs, legte auf, hatte ein eigenes Label.

All das in Köln, natürlich. "Woman" ist in der Szene verwurzelt. Hier kenne man sich, hier kämen alle miteinander aus, man hilft sich. "Ich glaube, Festivals hassen Kölner Bands", sagt Jacobi. "Wenn mehr als drei da sind, gibt es Backstage ein Saufgelage und alle liegen sich in den Armen."

Bleibt zum Schluss eigentlich nur noch diese eine Frage; die, die sich jede Band wohl immer wieder gefallen lassen muss. Und die noch ein klein wenig naheliegender wird, wenn sich drei Männer "Woman" nennen: Wie kam das Projekt zu seinem Namen? Ähnlich wie beim Genre machen es sich die drei "Woman"-Männer bei der Antwort gerne einfach. Indem sie sich immer wieder eine neue überlegen. "Ich hatte mal eine Freundin", sagt Jacobi. "Die hieß Woman mit Nachnamen. Nach der haben wir uns benannt."

Steckbrief

Sänger Carlos Hufschlag (24) kommt aus Bonn, Schlagzeuger Milan Jacobi (29) aus Königswinter. Ihr Bandkollege, Gitarrist Manuel Tran (29), kommt aus Stuttgart-Zuffenhausen. Alle drei leben in Köln.

Das aktuelle Album der Band, "Happy Freedom", kann normal im Handel erworben oder zum Beispiel über Spotify und Apple Music gestreamt werden.

Woman spielen am 24. November im Rahmen ihrer "Happy Freedom"-Tour ein Konzert im Artheater in Köln. Tickets gibt es ab 13,70 Euro.

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