Anwalt: „Ich weiß nicht, was diese Spieler bewegt“

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Anwalt: „Ich weiß nicht, was diese Spieler bewegt“
Anwalt: „Ich weiß nicht, was diese Spieler bewegt“

Das Thema Corona hält den FC Bayern weiter fest im Würgegriff.

Der BR hatte berichtet, dass die Verantwortlichen Ihren ungeimpften Spielern Joshua Kimmich, Michael Cuisance, Serge Gnabry, Eric Maxim Choupo-Moting und Jamal Musiala rückwirkend für die Quarantäne-Zeit tatsächlich das Gehalt gestrichen haben.

Zuerst hatte Bild davon berichtet.

„Es ist eine ganz schwierige Situation in einem Mannschaftssport. Ich sehe da schon ein Konfliktpotenzial, aber das muss hochwertig entsprechend den Standards des FC Bayern München gelöst werden. Diese Situation hat sich keiner gewünscht und diese muss im Mannschaftskreis mit vielen Gesprächen gelöst werden“, sagt Sportrechtsexperte Christoph Schickhardt im Gespräch mit SPORT1.

Schickhardt erklärt die Lage

„Die Rechtslage bei einem Fußballprofi ist genauso wie bei allen im Arbeitsleben. Fußballer sind ganz normale Arbeitnehmer. Wenn ich krank bin, erhalte ich eine Lohnfortzahlung, wenn ich nicht krank bin und aus anderen Gründen zum Beispiel Quarantäne nicht arbeiten kann, bekomme ich keine Lohnfortzahlung.“ (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Die betroffenen Bayern-Profis sollen vom Vorgehen der Klubbosse „sehr überrascht“ gewesen sein. Einzelne Spieler sollen nun sogar rechtliche Schritte erwägen.

Das Corona-Chaos beim Rekordmeister dürfte also zeitnah eine neue Eskalationsstufe erreichen. Oder kommt es doch zu einer spektakulären Wende, indem sich die Spieler nun doch impfen lassen?

Laut Bild wollen sich Kimmich, Gnabry und Cuisance bald impfen lassen. Bislang gibt es dafür noch keine Bestätigung.

Ebenso wenig wie für die kicker-Informationen, wonach sich mit Gnabry und Musiala mittlerweile zwei Profis bereits haben impfen lassen.

Während Gnabry wegen einer früheren COVID-Infektion nach Ablauf von zwei Wochen als voll geimpft gilt, braucht Musiala eine zweite Impfung, vermutlich in der Winterpause. Damit wäre der 18-Jährige zum Rückrundenstart voll geimpft.

Hat eine Klage Erfolg?

Die Kernfrage sei erlaubt: Hätten die fünf Spieler mit ihren rechtlichen Überlegungen überhaupt Erfolg?

„Ich glaube, dass diese Spieler damit keinen Erfolg haben werden. Aber es ist ihr gutes Recht und vielleicht ist ist das sogar im Sinne aller, wenn die Sache dann gerichtlich geklärt ist. Aber ich sehe die Situation klar zu Gunsten vom FC Bayern. Der Klub verhält sich korrekt, wie dies dort übrigens Tradition ist“, meint Schickhardt.

Bereits am Donnerstag wurde das Quintett offenbar über die Entscheidung informiert. Sportvorstand Hasan Salihamidzic, Präsident Herbert Hainer und Finanzchef Jan-Christian Dreesen wollten laut dem BR ein Zeichen setzen und den Druck auf die Spieler erhöhen, sich impfen zu lassen.

Einbußen bei Kimmich

Die finanziellen Einbußen sind dabei nicht unerheblich: Für Kimmich könnten bei einem geschätzten Jahresgehalt von 20 Millionen Euro Einbußen von rund 384.000 Euro pro Woche einhergehen.

Ob ihm die Kürzung seines monatlichen Salärs nun wirklich weh tut, sei mal dahin gestellt.

Der FC Bayern wollte auf die Meldung des BR nicht reagieren - in der Sendung Sky 90 am Sonntag meldete sich jedoch Ex-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge zu Wort: „Wenn das stimmt, was die Bild vermeldet, ist das sicherlich auch als Zeichen zu verstehen, dass der Verein jetzt reagiert.“

Schickhardt hofft auf einen fairen Umgang mit Kimmich und Co. „Man sollte diese fünf Spieler keineswegs an den Pranger stellen. Vorwürfe und Moralappelle helfen erfahrungsgemäß nicht. Das würde nur dazu führen, dass sich diese Spieler noch mehr in der Sache verstricken und aus ihren Ecken nicht mehr herauskommen.“

„Dann muss er mit den Konsequenzen leben“

Doch der Anwalt räumt ein: „Jeder kann sich in Deutschland jedes Wissen holen und muss eine persönliche Entscheidung für sich treffen, auch in Verantwortung vor Familienmitgliedern, Mannschaftskollegen, Nachbarn und Gesellschaft. Und dann muss er mit den Konsequenzen leben.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Nirgendwo stehe geschrieben, dass die Wahrnehmung einer vermeintlichen Freiheit nicht - im übertragenen Sinne -„bezahlt“ werden muss.

Schickhardt nimmt diese Spieler in Schutz: „Ich weiß nicht, was diese fünf Spieler bewegt. Manchmal muss man jeden Fall einzeln betrachten, weil es ganz gravierende, persönliche Begebenheiten und Umstände geben kann, die ein Außenstehender nicht weiß und auch nicht wissen soll.“

Man müsse damit sensibel umgehen. „Der FC Bayern wird als Weltklasse-Klub mit den Spielern im Gespräch bleiben und ihnen jederzeit den Weg zurück ermöglichen.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

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