Kissinger spricht sich für Nato-Beitritt der Ukraine aus

Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger hat nach eigenen Angaben seine Meinung über einen Nato-Beitritt der Ukraine nach der russischen Invasion geändert. "Vor diesem Krieg war ich gegen eine Mitgliedschaft der Ukraine, weil ich befürchtete, sie könnte genau den Prozess starten, den wir jetzt sehen", sagte Kissinger am Dienstag per Videoschaltung auf dem Weltwirtschaftstreffen (WEF) in Davos. Unter den jetzigen Voraussetzungen sei "die Idee einer neutralen Ukraine nicht länger sinnvoll", sagte der 99-Jährige.

Der langjährige Top-Diplomat hatte sich monatelang für eine Waffenruhe in der Ukraine ausgesprochen, die mit der Anerkennung russischer Gebietsgewinne einhergegangen wäre. Doch in seiner Botschaft an das WEF sagte Kissinger nun, eine Nato-Mitgliedschaft wäre eine "angemessene Folge" der russischen Invasion.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte bei der Rechtfertigung für den Angriffskrieg gegen die Ukraine, Kiews Nato-Bestrebungen als Bedrohung bezeichnet.

Der Realpolitiker Kissinger betonte, es sei wichtig, den Krieg nicht zu einem "Krieg gegen Russland selbst" werden zu lassen und Russland eine Möglichkeit zu geben, "sich dem internationalen System wieder anzuschließen".

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