"In dieser Kirsche ist ein Wurm drin“: Das sagen Experten über den Börsengang des Tastatur-Herstellers Cherry

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Symbolfoto: Ein Mann spielt am PC das Computerspiel Fortnite
Symbolfoto: Ein Mann spielt am PC das Computerspiel Fortnite

Während des Höhepunkts der Corona-Pandemie gab es draußen nicht so viel zu tun: Die Geschäfte, Kinos und Restaurants waren dicht, die Menschen blieben Zuhause, viele am PC und nutzten die neugewonnene Zeit zum Spielen von Online- und Computer-Games, sie "zockten". Und da kam oftmals Cherry ins Spiel: Der bayrische Tastatur-Hersteller ist bei Zockern vor allem wegen seiner Gaming Switches bekannt. Das sind Schalter unter der Tastatur, die ein Signal weiterleiten, sobald gedrückt wird. Die Cherry-Tasten sollen 100 Millionen Anschläge lang halten und Reaktionszeiten von weniger als einer Millisekunde garantieren – Traum-Tasten für Gamer.

Cherry wollte vor allem diesen Computerspiele-Boom während der Lockdown-Krise nutzen, um an der Börse zu starten. Doch das Debüt auf dem Parkett verlief nicht so erfolgreich, wie erhofft.

Cherrys Ausgabepreis war niedriger, als gewünscht

Die Aktie ging am Dienstag mit 32 Euro in den Handel – der gleiche Preis, zu dem die Investoren ihre Anteile zuvor erworben hatten. Im Laufe des Tages pendelte die Aktie weiter um diese Marke, konnte keine größeren Kurssprünge einfahren. Doch auch der Ausgabepreis von 32 Euro war nicht das erhoffte Maximum. Denn die Preisspanne lag zwischen 30 und 38 Euro. Cherry musste sich also mit dem unteren Bereich zufriedengeben. Die Nachfrage war anscheinend nicht so hoch.

Das Unternehmen ist damit rund 778 Millionen Euro wert. Mit dem Börsengang nimmt Cherry insgesamt 416 Millionen Euro brutto ein, von denen allerdings nur 138 Millionen Euro bei Cherry selbst landen. Der Rest, also 278 Millionen Euro, fließt auf das Konto der Alt-Aktionäre. Mit dem Geld will das Unternehmen unter anderem Schulden abbezahlen. Ende März 2020 hatte Cherry Verbindlichkeiten in Höhe von 101 Millionen Euro. Ein weiterer Teil des frischen Geldes soll für das Wachstum verwendet werden. Vorstands-Chef Rolf Unterberger, erwartet, „dass Cherry in diesem Jahr um 30 bis 40 Prozent wachsen wird.“

Der Börsengang „müffelt ein bisschen“

Dass der Börsengang von Cherry trotz genereller guter Kapitalmarkt-Stimmung „so müde läuft“, wundert Aktien-Experte Christian Röhl, Investor und Buchautor, nicht. Der Börsen-Profi sieht vor allem den hohen Betrag, den die Altaktionäre „einstecken“ kritisch: „Das müffelt ein bisschen. Sieht so aus, als würde es primär darum gehen, dass die Altaktionäre die Gunst der Stunde nutzen können, um Kasse zu machen“, sagt Röhl zu Business Insider. Es gehe, so Röhl, „weniger darum“, dass Cherry Eigenkapital für das weitere Wachstum bekommt.

Auch Börsen-Profi Katja Eckardt vom Portal „Finanz-Diva“, ist kein Fan der Cherry-Aktien. Der Börsengang wäre vollzogen worden, weil „jemand dringend Geld“ braucht, um die Schuld abzubauen und die Alt-Aktionäre auch „Kasse machen wollen.“ Diese gehören laut Eckardt „definitiv zu den Gewinnern“ des IPOs. Von Unterbergers Wachstumsprognose hält Eckardt nicht viel: „Klar - nichts ist unmöglich. Aber in meinen Augen sollte man an der Börse nur in diejenigen investieren, bei denen die finanzielle Basis stimmt und deren leicht verständliches Geschäftsmodell langfristig überzeugt“, sagt die Aktien-Kennerin zu Business Insider.

Eckardt rät davon ab, in Cherry-Aktien zu investieren und empfiehlt auf einen traditionellen Konzern zu setzen: „Apple muss keine Schulden abbauen und die profitieren auch vom Gaming Trend.“ In einfachen Worten: „In dieser Kirsche ist ein Wurm drin. Mir Schmecken ein paar Äpfel im Depot definitiv besser.“

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