Kioskbesitzer aus Hamburg: Ich verkaufe keine Dinge, sondern etwas viel Wertvolleres

Jana Sepehr
Christoph Busch vor seinem Kiosk in Hamburg
  • Christoph Busch hat einen Kiosk in einer Hamburger U-Bahn-Station
  • Doch statt Dinge zu verkaufen, bietet er sein offenes Ohr an

“Das Ohr” heißt der Bahnhofskiosk von Christoph Busch. Es ist nicht irgendein Kiosk und Busch auch nicht irgendein Verkäufer.

Busch, 71 Jahre alt, Hör- und Drehbuchautor, zweimal für den Deutschen Fernsehpreis nominiert, verkauft in seinem Laden keine Ware.

Das Einzige, was er gibt, ist seine Zeit. Und die bekommt jeder kostenlos.

So richtig durchgedacht hatte Busch das Projekt zu Beginn eigentlich nicht. Es war vielmehr ein Schnellschuss: Als Busch mit der U-Bahn an der Haltestelle Emilienstraße in Hamburg vorbeifuhr und eines Tages das “zu vermieten”-Schild entdeckte, fühlte er sich angesprochen.

Am Telefon erfuhr er, dass der Kiosk noch zu haben sei. “Da habe ich zuerst einen Schreck bekommen”, sagt Busch. “Ich wusste gar nicht, was ich damit sollte.”

Aber er ließ sich treiben von der Idee, hier Menschen Willkommen zu heißen, die ihm Geschichten aus dem Leben erzählen möchten.

Fremde vertrauen dem Kioskbesitzer ihre Geschichten an

Er mietete den Glaskasten, dekorierte die Regale mit eingerahmten schwarz-weiß Bildern, einem pinken Einhorn und klebte Werbeplakate an die Scheiben, darauf seine Telefonnummer und die Sprechzeiten.

► Seit Wochen nehmen junge und alte Menschen, Männer und Frauen, in seinem Kiosk Platz und vertrauen Busch ihre Geschichten an.

Sie handeln von Liebeskummer oder Familiendramen, von traumatischen Kindheitserfahrungen und Depressionen.

“Zuhören wird meist mit Unglück verbunden”, sagt Busch. Denn in unserer heutigen Gesellschaft würde von jedem verlangt werden, permanent fröhlich zu sein und bis über beide Ohren zu grinsen.

Ich bin kein Psychologe und kein Therapeut, aber genau das finden viele gut. ...

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