Kinofilm “Der Vorname”: Darf man sein Kind heute in Deutschland Adolf nennen?

Victoria Timm
Freie Autorin für Yahoo Kino
In “Der Vorname” sorgt der Kindsname Adolf für reichlich Streit (Bild: 2018 Constantin Film Verleih GmbH)

Am 18. Oktober läuft die Komödie “Der Vorname” von Sönke Wortmann in den Kinos an. In dem Gesellschaftsstück geht es um die delikate Frage, ob man sein Kind heutzutage noch Adolf nennen darf. Die Antwort fällt einigermaßen überraschend aus.

Es gibt wohl kaum einen Namen, der durch eine einzige Person so sehr in Verruf kam, wie dieser: Adolf. Als Reichskanzler zur Zeit des Nationalsozialismus hat Adolf Hitler den Massenmord an Millionen Juden befehligt und überzog halb Europa mit einem Vernichtungskrieg.

Kein Wunder also, dass der Vorname Adolf, der sich vor und natürlich auch während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland großer Beliebtheit erfreute, nach 1945 so gut wie gar nicht mehr von Eltern vergeben wurde. Doch wie sieht es mehr als siebzig Jahre nach Ende der Nazi-Schreckensherrschaft eigentlich rechtlich aus?

Haben Eltern heute das Recht, ihren Sohn Adolf zu nennen?

Theoretisch wäre das möglich. “Es gibt keine Liste von verbotenen Vornamen”, sagt Verena Rathgeb-Stein vom Standesamt Stuttgart. Wenn Eltern den Wunsch verspüren, ihr Kind Adolf zu nennen, dann findet in der Regel ein Gespräch statt, was die Beweggründe dafür sind. Es liegt also im Ermessen der zuständigen Ämter, ob der Name vergeben werden darf.

In der Tat gibt es in den letzten Jahren sogar einen Adolf-Trend. Laut dem Namenkundlichen Zentrum in Leipzig wurde der Name in den Jahren 2006 bis 2013 genau 13 Mal in Deutschland vergeben. Doch in den Jahren 2013 bis 2017 kamen 46 weitere Adolfs hinzu. Insgesamt leben heute etwas mehr als 46.000 Adolfs in Deutschland – mit ihnen könnte man also ein ganzes Fußballstadion füllen.

In dem Film “Der Vorname” konfrontiert der von Florian David Fitz gespielte werdende Vater seine Freunde, dass er seinen Sohn Adolf nennen will. Sofort entsteht ein Streit darüber, was sich gehört und was nicht. “Der Vorname” beruht auf dem französischen Theaterstück “Le Prénom”, das 2010 in Paris Premiere feierte.