Kinderleid in Syrien: UNICEF veröffentlicht leeres Presse-Statement

Kinder vor einem UN-Auto in Ost-Ghuta nahe Damaskus. (Bild: Reuters)

Angesichts des Grauens in Syrien zeigt sich das Kinderhilfswerk der UNO sprachlos: Weil in der Islamistenhochburg Ost-Ghuta zuletzt zahlreiche Kinder getötet und verletzt wurden, verschickte die Organisation eine Presseerklärung mit leeren Zeilen.

Seit Tagen bombardiert die syrische Armee die Provinz Ost-Ghuta. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag vermeldete, sollen in nur 48 Stunden mindestens 250 Menschen getötet und über 1200 zum Teil schwer verletzt worden sein. Unter den Opfern befinden sich zahlreiche Kinder. Die „Washington Post“ nennt die aktuellen Ereignisse „die tödlichste Episode“ in den sieben Jahren, die der Syrienkrieg bereits andauert.

Aufgrund dieser dramatischen Eskalation, bei der etliche Kinder ums Leben kamen, veröffentlichte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF ein Statement mit der Überschrift „Der Krieg gegen Kinder in Syrien“. Das Schreiben stammt vom 20. Februar und enthält nur einen Satz: „Keine Worte können den getöteten Kindern und ihren Müttern, Vätern und Angehörigen gerecht werden.“


Auf Twitter postete die UN-Behörde den gleichen Wortlaut, gefolgt von leeren Zeilen:


Ost-Ghuta, wo rund 400.000 Menschen leben, ist nicht zum ersten Mal Schauplatz schrecklicher Szenen. Am 21. August 2013 erfolgte dort ein Angriff mit dem Giftgas Sarin. Zwischen 280 und 1800 Menschen sollen durch den chemischen Kampfstoff ums Leben gekommen sein. Wer für den Angriff verantwortlich ist, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Laut dem investigativen Recherche-Netzwerk „Bellingcat“ sollen im Jahr 2018 drei weitere Chemiewaffen-Angriffe, diesmal mit Chlorgas, erfolgt sein – am 13. und 22. Januar sowie am 1. Februar.

Ost-Ghuta besteht nur noch aus Schutt und Asche. (Bild: Reuters)

Bei der aktuellen Angriffswelle der syrischen Armee sind zwar bisher keine chemischen Waffen zum Einsatz gekommen. Dafür sollen laut der Hilfsorganisation „Union des Organisations de Secours et Soins Médicaux“ (UOSSM) fünf Krankenhäuser in Ost-Ghuta gezielt bombardiert worden sein.

Seit 2013 dient Ost-Ghuta verschiedenen islamistischen Gruppierungen – unter anderem der „Armee des Islams“ und der „Brigade des Barmherzigen“ – als Rückzugsort. Die Zivilgesellschaft wird von den Kämpfern, die sich auch gegenseitig bekriegen, weitgehend kontrolliert. Im April und Mai 2017 erreichten die interislamistischen Kämpfe einen Höhepunkt, als in nur wenigen Wochen 400 Zivilisten und Islamisten bei Gefechten ums Leben kamen.