Kinderkostüm „Flüchtling“ bei Amazon: Dunja Hayali ist entsetzt

Dunja Hayali findet die Flüchtlingskostüme “unterirdisch” (Bild: Getty Images)

Als Flüchtlinge verkleidete Kinder? Bei solchen Angeboten auf Amazon zeigt sich nicht nur ZDF-Moderatorin Dunja Hayali fassungslos. „Unterirdisch“, meint sie zu den „Weltkriegs“-Kostümen. Obwohl Kunden bereits früher dagegen protestierten, bleiben die Verkleidungen bislang im Sortiment.

Karneval und Fasching sind eine fröhliche Angelegenheit. Doch diese Kinderkostüme sorgen für heftige Kritik: Auf Amazon werden Verkleidungen mit Bezeichnungen wie „Kinder-Kostüm ‘Flüchtling – 1./2. Weltkrieg’ für Mädchen & Jungen“ verkauft. ZDF-Moderatorin Dunja Hayali machte ihrem Ärger öffentlich Luft. „Was muss denen fehlen, die das verkaufen??? Für ein Theaterstück – ok. Aber als Faschingskostüm – unterirdisch!“, schrieb die Journalistin auf Twitter. Sie richtete einen Appell an Amazon: „Alte Diskussion. Immer noch nix passiert…“


Tatsächlich wird das erwähnte Kostüm trotz wütender Kommentare von Kunden schon lange bei dem Online-Händler angeboten. „Unfassbar geschmacklos“, „widerwärtig“, „menschenverachtend“, heißt es in den 22 Bewertungen, allesamt mit der niedrigsten Note von einem Stern. „Ihr habt doch wohl nicht mehr alle Latten am Zaun“, schimpfte ein Kunde. „Ist bei euch jeglicher Rest von Anstand hinter den Dollarzeichen verschwunden? Ich überlege meinen Account hier zu löschen. Ein Stern, da Minus nicht geht.“ „Bitte Artikel sofort entfernen“, forderte eine Kundin Amazon bereits im Januar 2016 auf. Sie fügte hinzu: „Ich bin fassungslos, dass Sie als großes Versandhaus solche Artikel zum Verkauf anbieten.“

Das Modell „Kinder-Kostüm ‘Flüchtling – 1./2. Weltkrieg’“ wird nicht direkt von Amazon verkauft. Es ist ein Angebot des Drittanbieters sunnyfashion. Das britische Unternehmen wurde in den vergangenen 90 Tagen von fast jedem dritten Kunden negativ bewertet. Ein ähnliches Angebot stammt ebenfalls von einem britischen Anbieter, namens I Love Fancy Dress.

So stellt sich die Firma I Love Fancy Dress Flüchtlingskinder vor. (Bild: Screenshot/Amazon/I Love Fancy Dress)

Auf Twitter gab es viel Zustimmung für Hayalis Empörung. „Das ist einfach nur verstörend“, meinte ein Nutzer. „Und was sind das für Eltern, die so etwas für ihre Kinder kaufen?“, gab ein Anderer zu bedenken. „Als Kölner muss ich sagen, das hat mit Karneval überhaupt nichts zu tun!“, kritisierte ein Twitter-Nutzer.

Andere Kommentatoren warfen Hayali hingegen eine übertriebene Reaktion vor. „Es gibt im Moment ganz andere Baustellen, über die man sich aufregen kann“, meinte eine Userin. „Viele Briten sind nun mal stolz auf diesen Teil ihrer Geschichte. Ob ich das jetzt gut finde oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Aber wir müssen aufpassen, nicht wegen allem einen Entrüstungssturm loszutreten, sonst gehen die wichtigen Dinge unter.“

Hayali antwortete: „Das stimmt. Aber ich finde, das geht eben nicht.“ Kritik anderer Art wies die Journalistin rundweg zurück. „Jetzt kommen die sogenannten Flüchtlingskritiker ums Eck und raffen nicht mal, um welche Flüchtlinge es hier geht… oder wollen sie es nicht verstehen?“, twitterte sie.


Auf der britischen Amazon-Seite werden die Kinderkostüme übrigens mit Zusätzen wie „Evakuierte/Umsiedler“ oder „Waise“ angepriesen. Die Kunden sehen hier offenbar keinen Grund zum Aufregen. Ein derartiges Angebot wurde von 19 Kunden mit durchschnittlich 4,9 von 5 Sternen bewertet.

Erst kürzlich gab es aufgrund von Amazon-Produkten einen medialen Aufschrei: Auf dem Marketplace des Online-Händlers wurden Kinderklamotten mit der Aufschrift „Slavery Gets Shit Done“ („Sklaverei kriegt was auf die Reihe“) von einem Drittanbieter verkauft. Amazon kündigte daraufhin an, diese Produkte aus dem Sortiment zu nehmen.