Kinder von IS-Kämpfern sollen zurück nach Deutschland gebracht werden

Der IS gilt im Irak als endgültig besiegt – die Konsequenzen bleiben aber spürbar. (Bild: Uncredited/AP/dpa)

Die deutsche Bundesregierung will Kinder von Kämpfern und Mitgliedern der Terrororganisation „Islamischer Staat“ zurück nach Deutschland holen – aus humanitären Gründen.

Mindestens ein Dutzend deutscher Minderjährige sitzt – gemeinsam mit ihren Müttern in Haftanstalten und Verhörzentren im Irak, die meisten davon sind Kleinkinder – das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Von 940 Personen, die aus Deutschland ins IS-Kriegsgebiet ausgereist waren, sollen zwei Drittel deutsche Staatsbürger sein. Nun haben sich laut Informationen von NDR, WDR und „SZ“ deutsche Diplomaten an die irakische Regierung gewandt und um eine Ausreisegenehmigung für die Kinder von IS-Kämpfern gebeten.

Das Auswärtige Amt nennt humanitäre Gründe sowie die Schutzpflicht der eigenen Staatsbürger als Grund für die diplomatischen Anstrengungen. Die meisten Kinder seien schließlich gegen ihren Willen ins IS-Gebiet verschleppt worden, zudem seien die Haftbedingungen nicht tragbar. So sollen in der irakischen Stadt Erbil Kleinkinder mit ihren Müttern in Großraumzellen mit mehr als 60 Personen eingesperrt sein. Jene Kinder seien bei ihren Angehörigen in Deutschland besser aufgehoben.

Sicherheitsbedenken haben die deutschen Behörden bei den jungen Heimkehrern keine: Das Zurückholen von kleinen Kindern sei unproblematisch, da diese nicht radikalisiert, sondern traumatisiert seien. Hingegen sei die Rückführung von älteren Kindern durchaus gefährlich, wie die „Süddeutsche Zeitung“ den Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, zitiert: „Wir sehen die Gefahr, dass Kinder von Dschihadisten islamistisch sozialisiert und entsprechend indoktriniert aus den Kampfgebieten nach Deutschland zurückkehren. Damit könnte auch hier eine neue Dschihadisten-Generation herangezogen werden.“

Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, warnt vor einer neuen Generation von Dschihadisten. (Bild: Getty Images)

Obwohl man zu Beginn noch davon ausging, dass die irakische Regierung Kinder und Mütter relativ schnell in ihre Heimatländer abschieben will, hat diese nun die Gangart geändert: Die Frauen sollen im Irak vor Gericht gestellt werden – einer der ausschlaggebenden Gründe für die Bemühungen der Bundesregierung. Auch die Frauen selbst sollen bei deutschen Diplomaten um die Rückführung gebeten haben.

Die Vereinten Nationen drängen die jeweiligen Regierungen, sich um die Kinder zu kümmern und diese unter keinen Umständen staatenlos werden zu lassen. Ein Problem gibt es dabei noch: Kinder, die im selbst ausgerufenen Kalifat geboren wurden, besitzen keine reguläre Staatsbürgerschaft, sondern nur eine Geburtsurkunde und Papiere der Terrororganisation „Islamischer Staat“.

Bis dato soll die Bundesregierung keine Antwort auf ihr Gesuch erhalten haben.