Kinder- und Jugendärzte protestieren gegen Biontech-Deckelung

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Deckelung von Biontech-Impfstoff sorgt für Kritik (AFP/Christof STACHE)

Die geplante Deckelung von Biontech-Lieferungen bei den Corona-Impfungen stößt beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) auf massive Kritik. Die Begrenzung sei "inakzeptabel", erklärte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach am Sonntag. "Wenn wir nur die eingeschränkte Menge zur Verfügung haben, können wir viele unserer Patienten nicht impfen", fügte er hinzu. Hintergrund ist, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) Biontech als ausschließlichen Impfstoff für diese Altersgruppe empfiehlt.

Der Beschluss von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), pro Arzt nur noch 30 Biontech-Dosen pro Woche zu genehmigen, "verhindert die Impfung der Kinder und Jugendlichen", zitierte die "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) aus einer am Sonntag vom BVKJ verabschiedeten Resolution. "In einem Moment, in dem die Impfkampagne wieder Fahrt aufgenommen hat, wird die Impfbereitschaft der Menschen durch diese Fehlentscheidung des Bundesgesundheitsministers wieder gemindert werden", heißt es in der Resolution demnach weiter.

Spahns Ministerium hatte am Freitag angekündigt, dass die Höchstabgabemenge von Biontech-Impfstoff auf 30 Impfdosen pro Woche pro niedergelassenem Arzt oder niedergelassener Ärztin beschränkt werden soll. Hintergrund ist demnach, dass die Medizinerinnen und Mediziner derzeit zu mehr als 90 Prozent Biontech nachfragen. Das Ministerium warb deshalb dafür, vermehrt den Moderna-Impfstoff einzusetzen - auch weil andernfalls ab Anfang kommenden Jahres der Verfall bereits eingelagerter Dosen droht.

Im Falle von unter 30-Jährigen hatte die Stiko am Mittwoch vergangener Woche allerdings ihre Impfempfehlung aktualisiert: Empfohlen wird für diese Gruppe nur noch die Impfung mit dem Biontech-Vakzin gegen das Coronavirus. Demnach wurden bei Jungen und jungen Männern sowie Mädchen und jungen Frauen bei Verwendung des ebenfalls für diese Altersgruppe zugelassenen Moderna-Impfstoffs häufiger Herzmuskelentzündungen festgestellt als beim Biontech-Impfstoff.

Die Stiko verwies darauf, dass es seit Einführung der beiden Impfstoffe bekannt sei, dass in seltenen Fällen nach der Impfung Herzmuskel- und/oder Herzbeutelentzündungen bei jüngeren Menschen aufträten. Aktuelle Meldeanalysen zeigten, dass dies häufiger bei der Moderna-Impfung der Fall sei. Für Menschen ab 30 Jahren bestehe das erhöhte Risiko einer Herzmuskelentzündung nicht. Der akute Verlauf der durch den Impfstoff ausgelösten Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen sei "überwiegend mild", erklärte die Stiko weiter.

BVKJ-Präsident Fischbach betonte am Sonntag gleichwohl, Biontech sei der Impfstoff, "dem die Menschen vertrauen", und dürfe nicht zurückgehalten werden. Zudem verwies er darauf, dass die Pandemie nur beherrscht und das Gesundheitswesen aufrechterhalten werden könne, wenn die derzeit noch 15 Millionen Ungeimpften weitgehend geimpft würden. Nötig ist nach Angaben des Berufsverbands deshalb die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht für Erwachsene.

jm/mt

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