"Für Bayern ein echter Coup": Der Kimmich von Inter

Johannes Fischer
·Lesedauer: 4 Min.

Als sich Nicolò Barella vor zehn Tagen auf den Weg machte, das Derbi d'Italia zu entscheiden, ließ sich der junge Inter-Profi nicht zwei Mal bitten.

Nach einem langen Ball von Alessandro Bastoni enteilte Barella der Juve-Abwehr und hämmerte den Ball zum vorentscheidenden 2:0 ins rechte Kreuzeck. (Service: Ergebnisse der Serie A)

Spätestens da hatte sich der gebürtige Sarde schon mit seinen 23 Jahren einen kleinen Legendenstatus erarbeitet - schließlich hatten die Nerazzurri den verhassten Serienmeister letztmals 2016 besiegt.

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Barella - das dürfte aktuell der beste Spieler der Serie A sein, einem Cristiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic zum Trotz. Am Dienstagabend holte der Inter-Star beim 2:1-Erfolg im Viertelfinale der Coppa d'Italia gegen Lokalrivale AC Mailand den Elfmeter zum zwischenzeitlichen Ausgleich heraus und unterstrich damit erneut seinen aktuellen Wert.

Was den Inter-Fans aber nicht gefallen dürfte: Barella ist durch seine fantastischen Leistungen in der laufenden Saison auf die Notizzettel der meisten internationalen Top-Klubs geraten. Weil die Mailänder zudem in finanziellen Schwierigkeiten stecken, wird im Umfeld des Trainingszentrums in Appiano Gentile befürchtet, der Klub könne den Jungstar nicht über die aktuelle Saison hinaus halten.

Barellla dürfte sündhaft teuer werden

In italienischen Medien wurde mit Sorge darüber berichtet, dass der hoch verschuldete Klub die letzten beiden Gehälter des vergangenen Jahres nicht ausbezahlen konnte. Verstärkt durch die coronabedingten Ausfälle habe Inter zudem bei Real Madrid um einen Zahlungsaufschub bei einer Rate für Achraf Hakimi gebeten.

Sogar ein Verkauf des chinesischen Eigentümers, der Suning Group, steht mittlerweile zur Debatte.

Für einen wie Barella, der auch schon in der Nationalmannschaft mächtig Eindruck hinterließ, könnte das einen Vereinswechsel zur Folge haben. Mit 55 Millionen Euro wird der zentrale Mittelfeldspieler, dessen Vertrag bis 2024 ohne Ausstiegsklausel läuft, bei transfermarkt.de taxiert, entsprechend müsste sein neuer Klub tief in die Tasche greifen, um sich seine Dienste zu sichern.

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Dass auch dem FC Bayern seine Entwicklung nicht verborgen blieb, davon darf getrost ausgegangen werden. So berichtete die Gazzetta dello Sport unlängst von "ersten Signalen" der Münchner in Richtung des Inter-Regisseurs.

Altobelli: Für Bayern wäre das ein echter Coup

"Wenn die Bayern Barella verpflichten könnten, wäre das ein echter Coup", sagt Inter-Ikone Alessandro Altobelli im Gespräch mit SPORT1. Der frühere Stürmer, der zwischen 1977 und 1988 317 Pflichtspiele im schwarzblauen Dress absolvierte und dabei 128 Tore erzielte, schwärmt geradezu vom Durchstarter.

"Aktuell ist er einer der stärksten Mittelfeldspieler in Europa", ist sich Altobelli sicher. "Barella ist in der Rückwärtsbewegung genauso gut wie in der Offensive. Und er hat noch ungenutzte Potenziale."

Auch Giuseppe Bergomi, mit dem Altobelli 1982 im Finale gegen Deutschland Weltmeister wurde, lobt den nur 1,72 Meter großen Mittelfeldspieler über den grünen Klee. "Barella ist für jede Mannschaft geeignet, auch für die Bayern", sagt der frühere Inter-Kapitän bei SPORT1. "Er ist ein Box-to-Box-Spieler und hat alle Anlagen, die man als zentraler Mittelfeldmann braucht."

Für Bergomi ist Barella der Prototyp des idealen Antreibers, eine Art Joshua Kimmich im Inter-Trikot.

"In der Nationalmannschaft spielt er ein bisschen offensiver als bei Inter", erklärt der heutige Meinungsmacher von Sky Italia. "Er hat ein großartiges Gespür, eine hervorragende Technik und ist ein echter Leader. Obwohl er nicht durch seine Körpermaße besticht, bringt er eine unglaubliche Dynamik auf den Platz."

Bergomi: Barella würde ich nie abgeben

Mit zwei Treffern und acht Vorlagen hat der Nationalspieler seine offensiven Vorstöße in der aktuellen Spielzeit gekrönt, nach hinten bildet er einen echten Schutzwall vor der Abwehrkette von Trainer Antonio Conte.

"Barella hat gezeigt, dass er sich durchgebissen und von Jahr zu Jahr verbessert hat", schwärmt auch sein früherer Coach Massimo Rastelli, der ihn bei US Cagliari unter seinen Fittichen hatte.

Als 2019 sein Wechsel nach Mailand anstand, machte er einfach da weiter, wo er bei seinem Heimatklub aufgehört hatte. "Er lässt so ein wichtiges Trikot wie das von Inter immer so natürlich wirken. Aber das gilt auch für das Trikot der Nationalmannschaft. Es ist, als ob er schon seit Jahren bei Inter wäre."

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Befürchtungen, dass die Inter-Fans künftig auf Gänsehautmomente wie beim Sieg gegen Juve verzichten müssen, hat Altobelli trotz der prekären finanziellen Situation allerdings nicht - auch wenn beim früheren Angreifer möglicherweise eine Portion Hoffnung mitschwingt. "Inter hat nicht die Absicht, Barella zu verkaufen, Inter verkauft nie seine besten Spieler!"

Bergomi ist sich da nicht so sicher. "Zusammen mit Romelu Lukaku, Achraf Hakimi oder Stefan de Vrij ist Barella einer der wichtigsten Spieler, die ich auf keinen Fall abgeben würde", sagt er zwar. "Ich weiß allerdings nicht, ob Inter nicht doch gezwungen sein wird, ihn zu verkaufen."