Kim sieht in den USA "größten Feind" Nordkoreas

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Kim Jong Un auf dem Parteikongress in Pjöngjang

Mit Blick auf den Regierungswechsel in Washington hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un dem künftigen US-Präsidenten Joe Biden Konfliktbereitschaft signalisiert: Die USA seien der "größte Feind" seines Landes, sagte Kim laut Staatsmedien am Samstag bei einem Kongress der von ihm geführten Kommunistischen Partei der Arbeit Koreas. Zugleich kündigte er eine Fortsetzung des nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramms an.

Ohne Biden ausdrücklich zu nennen, sagte Kim laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA: "Egal wer (in den USA) an der Macht ist: Die wahre Wesensart ihrer Politik gegen Nordkorea wird sich niemals ändern." Pjöngjang müsse sich deshalb darauf konzentrieren, die "USA zu zerrütten", sagte Kim. Die USA seien das "größte Hindernis für unsere Revolution", fuhr Kim demnach fort.

Während des alle fünf Jahre stattfindenden Parteikongresses äußerte sich Kim auch zu der Weiterentwicklung des nordkoreanischen Atomprogramms sowie des ballistischen Raketenprogramms. Das Land habe inzwischen die Pläne für ein atombetriebenes U-Boot abgeschlossen, sagte er. Entwürfe für ein solches U-Boot befänden sich in der "abschließenden Überprüfungsphase".

Eine solche Waffe würde das strategische Kräfteverhältnis verändern, da sie es Pjöngjang ermöglichen würde, heimlich Raketen in die Nähe der US-Küste zu transportieren und damit die Vorwarnzeit vor einem möglichen Angriff drastisch zu verkürzen.

Kim und dem scheidenden US-Präsidenten Donald Trump war ein besonderes Verhältnis attestiert worden. Beide Staatenlenker hatten sich drei Mal persönlich getroffen. Das letzte Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim im Februar 2019 in Hanoi scheiterte jedoch. Seitdem liegen die Verhandlungen der US-Regierung mit Pjöngjang über einen Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms auf Eis. Auch die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea verschärften sich wieder.

Den künftigen US-Präsidenten Biden hatte Kim in der Vergangenheit scharf attackiert. Unter anderem bezeichnete er den ehemaligen US-Vize-Präsidenten als "tollwütigen Hund". Biden wiederum charakterisierte den nordkoreanischen Machthaber während des US-Präsidentschaftswahlkampfs als "Verbrecher".

Die Analystin Ankit Panda vom Institut Carnegie Endowment wertete die Äußerungen Kims als Folge der beiden Gipfel mit Trump. Für diese würden die USA nun die "Rechnung erhalten", schrieb Panda im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Und die Biden-Regierung muss die Zeche zahlen."

Cho Seong-ryoul vom Institut für nationale Sicherheitsstrategie in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul rechnet zunächst nicht mit einer scharfen Reaktion der künftigen Regierung Bidens auf Kims Rede. Es handle sich dabei "nur um Worte", sagte Cho der Nachrichtenagentur AFP. Sollten den Worten indes Taten folgen, erwartete Cho eine "heftige" Antwort der USA.

muk/ck