Kim Jong Un lädt Südkoreas Staatschef Moon zu Besuch in Pjöngjang ein

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un

Erstmals seit mehr als zehn Jahren will Nordkorea wieder ein Gipfeltreffen mit dem Süden abhalten: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un lud Südkoreas Präsidenten Moon Jae In zu einem Besuch in seine Hauptstadt Pjöngjang ein, wie die Regierung in Seoul bekannt gab. Kim wolle Moon "so bald wie möglich" treffen und ein "neues Kapitel" in den Beziehungen aufschlagen. Südkorea reagierte zunächst zurückhaltend, die USA warnten vor einem Propaganda-Trick.

Die Einladung aus Pjöngjang war ein weiteres Zeichen der Annäherung zwischen den beiden koreanischen Staaten. Überbracht wurde sie von Kims Schwester Kim Yo Jong, die sich anlässlich der Olympischen Winterspiele in Südkorea aufhält.

Südkoreas Präsident Moon empfing die Schwester des Machthabers sowie Nordkoreas protokollarisches Staatsoberhaupt Kim Yong Nam am Samstag im Präsidentenpalast in Seoul. Kim Yo Jong überreichte ihm dabei einen Brief ihres Bruders. "Wir hoffen, Sie bald in Pjöngjang zu sehen", sagte sie nach Angaben von Regierungsvertretern. Pjöngjang setze darauf, dass Moon auf dem Weg zur Wiedervereinigung der beiden Nachbarstaaten ein "neues Kapitel" aufschlage.

Südkoreas Präsident, der sich seit Langem für Verhandlungen mit Pjöngjang einsetzt, ließ offen, ob er die Einladung annimmt. Zunächst müssten die "passenden Voraussetzungen" für ein solches Treffen geschaffen werden, sagte er nach Angaben seines Sprechers. Moon verlange von Nordkorea, sich ernsthaft um einen Dialog mit den USA zu bemühen.

US-Vizepräsident Mike Pence kritisierte derweil die "Propaganda-Farce" aus Nordkorea. "Die Welt darf nicht die Augen verschließen vor der Unterdrückung und den Drohungen des Kim-Regimes", schrieb er im Onlinedienst Twitter. Beobachter halten die diplomatische Initiative für einen Versuch des isolierten Nordkorea, die internationalen Sanktionen abzumildern und das Bündnis zwischen Seoul und Washington zu schwächen.

Sollte Moon die Einladung annehmen, wäre er der dritte südkoreanische Präsident, der zu einem solchen Gipfeltreffen nach Nordkorea reist. Seine Vorgänger Kim Dae Jung und Roh Moo Hyun waren dort 2000 beziehungsweise 2007 von Kims Vater Kim Jong Il empfangen worden.

Der südkoreanische Politologe Koh Yu Hwan von der Universität Dongguk bewertete die Chancen für ein baldiges Spitzentreffen aber skeptisch. Kims Vorschlag beruhe auf der unrealistischen Annahme, dass Nordkorea sein Atomwaffenprogramm aufrechterhalten und gleichzeitig die Beziehungen zu Seoul verbessern könne.

In den vergangenen Monaten hatte sich der Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm verschärft. Die Führung in Pjöngjang verstieß mit Raketen- und Atomtests wiederholt gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Im September nahm Nordkorea nach eigenen Angaben seinen sechsten und bisher gewaltigsten Atomwaffentest vor.

Seit Jahresbeginn bemühen sich die verfeindeten Staaten der koreanischen Halbinsel aber um eine Annäherung. Die Teilnahme Nordkoreas an den Winterspielen in Pyeongchang gilt als wichtiges Zeichen der Entspannung. Bereits bei der Eröffnungsfeier am Freitag kam es zu versöhnlichen Gesten zwischen Vertretern beider Staaten. Sportler aus Nord- und Südkorea marschierten gemeinsam in das Olympia-Stadion ein. Moon reichte Kim Yong Nam und Kim Yo Jong die Hand.

Offiziell befinden sich Nord- und Südkorea weiterhin im Kriegszustand. Kim Yo Jong ist das erste Mitglied der Kim-Dynastie, das Südkorea seit dem Waffenstillstand von 1953 besucht. "Obwohl ich zum ersten Mal hier bin, fühlt es sich nicht fremd an", sagte sie bei einem Bankett, zu dem der südkoreanische Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon eingeladen hatte.

Nach Angaben der südkoreanischen Präsidentschaft wollte sich Kim Yo Jong am Samstag in Gangneung zusammen mit Moon und anderen Regierungsvertretern beider Länder das erste Spiel der gemeinsamen Eishockey-Damenmannschaft aus Nord- und Südkorea in Gangneung anschauen.