Kiew: Ukrainisches Gastransitnetz ist Alternative zu Nord Stream 2

·Lesedauer: 1 Min.

KIEW (dpa-AFX) - Die Ukraine sieht ihr eigenes Gastransitnetz als wichtige Alternative zur bisher noch nicht genehmigten Ostseepipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland. "In der gesamten Geschichte des ukrainischen Transits kam es nicht einmal vor, dass dieser wegen irgendwelcher technischer Probleme auf ukrainischer Seite ausgefallen ist", sagte der Chef des Betreiberunternehmens des ukrainischen Gastransportsystems, Serhij Makohon, der Deutschen Presse-Agentur in Kiew. Die zwei Unterbrechungen in den Jahren 2006 und 2009 seien ausschließlich aus politischen Motiven Russlands erfolgt.

Nord Stream 2 soll unter Umgehung der Ukraine Gas von Russland nach Deutschland bringen. Die Ostseepipeline ist fertiggestellt, aber noch nicht in Betrieb. Die finanzschwache Ukraine ist dringend auf die Milliardeneinnahmen aus den Durchleitungsgebühren für den Gastransit angewiesen und befürchtet nun hohe Verluste.

Der russische Energieriese Gazprom <US3682872078> erfülle zwar den bis Ende 2024 geltenden Vertrag mit aktuell 40 Milliarden Kubikmeter Transit pro Jahr, sagte Makohon. Doch das seien 30 Prozent weniger als im vorigen Jahr und 45 Prozent weniger als 2019. Innerhalb dieser zwei Jahre habe sich der Zustand des Systems kaum verschlechtert. "Wir sind bereit, 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas zusätzlich im Jahr (in die EU) zu transportieren."

Sollte allerdings Russland seinen Transit durchs Nachbarland einstellen, müsse die Ukraine entweder die Tarife verfünffachen oder das Gastransportsystem komplett auf den Binnenmarkt ausrichten, sagte der Leiter des Staatsunternehmens. "Wir haben Ausgaben, und die können wir nicht auf Kosten der ukrainischen Verbraucher decken." Daher ziehe das Unternehmen in Betracht, im schlechtesten Fall einen Teil des Systems einschließlich Kompressor-Stationen stillzulegen.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.