Kieler Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognose für Deutschland ab

Die wachsende weltweite Unsicherheit drückt bei deutschen Firmenchefs die Stimmung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Oktober auf 102,8 Punkte nach 103,7 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Forschungsinstitut am Donnerstag mitteilte

Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr gesenkt. Für 2018 gehen die Forscher statt von 2,5 Prozent nur noch von 2,0 Prozent Wirtschaftswachstum in Deutschland aus, wie das IfW am Donnerstag mitteilte. Für 2019 halten die Forscher, anders als andere Institute, aber an ihrer Einschätzung fest: Sie rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,3 Prozent.

Grund für die veränderte Erwartung für 2018 sei der "Dämpfer" in der Produktion zu Jahresbeginn, führten die IfW-Forscher aus. Demnach trübten sich die Unternehmenserwartungen ein und die Auftragseingänge in der Industrie sowie die Exporte gingen zurück. Ein Grund dafür sei der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA, China und der EU. Aber auch eine Grippewelle, Streiktage und Feiertage hätten dazu beigetragen, erklärte das Institut.

Deutschland befinde sich nach wie vor "in der Hochkonjunktur", betonte das IfW. "Die ruhigere Gangart der deutschen Wirtschaft im ersten Halbjahr gleicht einem Luftloch im konjunkturellen Höhenflug", erklärte Stefan Kooths, der das Prognosezentrum am IfW Kiel leitet. Schon ab Mitte des Jahres dürfte die Wirtschaftsleistung wieder "beschleunigt anziehen". Er und seine Kollegen rechnen mit einer spürbaren Zunahme der Exporte.

Bei den privaten Konsumausgaben rechnet das Institut in diesem Jahr mit einem Anstieg von 1,6 Prozent und im kommenden Jahr mit 2,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote dürfte 2018 auf 5,2 Prozent und 2019 auf 4,9 Prozent sinken, nach 5,7 Prozent im vergangenen Jahr. Vor einer Überhitzung warnten die Forscher im Bausektor: Dort herrsche "akute Personalknappheit und die Preise steigen kräftig", erklärte Kooths.

Belastet wird die deutsche Konjunktur nach Einschätzung der Forscher durch die anhaltenden "geopolitischen Risiken". Dazu gehörten neben der Handelskrise auch Unsicherheiten in der EU durch den Regierungswechsel in Italien sowie eine mögliche Verunsicherung an den Kapitalmärkten durch eine Normalisierung der Geldpolitik.

Erst am Dienstag hatten das Münchner Ifo-Institut und das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ihre Prognosen für dieses Jahr deutlich abgesenkt. Sie sagten auch für das kommende Jahr nur ein Wachstum von 1,8 beziehungsweise 1,5 Prozent voraus.