Wenn die KI die Strategie vorgibt: Datenanalyse im NASCAR-Sport

André Wiegold

V8-Motoren, die ihre Wurzeln in den 1970er-Jahren haben, starre Hinterachsen und wenig moderne Technik in den Autos: So stellen sich viele Motorsportfans die NASCAR-Serie in den USA vor, die Woche für Woche für Spektakel auf den Ovalen und Rundkursen Amerikas sorgt. Bis zu einem bestimmten Grad stimmt das, NASCAR ist der Dinosaurier unter den Rennsport-Serien, aber dennoch macht der Fortschritt auch hier nicht Halt.

In den früheren Jahren hatte der Crew-Chief in einem NASCAR-Team die Strippen in der Hand. Mit seiner Erfahrung legte er die Boxenstopp-Strategie fest und reagierte auf Situationen auf der Strecke, um seinen Fahrer nach ganz vorne zu bringen. Intuition ist war damals das Zauberwort, aber heute gibt es viele weitere Werkzeuge, die letztlich bei der Wahl der Strategie den Unterschied ausmachen können.

KI hat Einfluss auf die Strategie

Austin Dillon im Kampf mit Brad Keselowski: im Qualifying würde das Ghost Car zum Einsatz kommen

Austin Dillon im Kampf mit Brad Keselowski: im Qualifying würde das Ghost Car zum Einsatz kommen LAT

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Wie fest tritt ein Fahrer auf das Gas- oder Bremspedal? Wie schnell ist er unterwegs und wie ist die genaue Drehzahl? Genau diese Daten werden den Zuschauern regelmäßig bei den Übertragungen gezeigt. Ganz besonders ist aber das "Ghost Car", das oft im Qualifying zum Einsatz kommt.

Auf dem Oval entscheiden letztlich wenige Zentimeter über die Pole-Position oder einem Platz im hinteren Mittelfeld. Aufgrund der relativ kurzen Strecken ist es schwierig, mit bloßem Auge einen Unterschied zwischen den Runden der Fahrer auszumachen. Da kommt die Technologie wieder ins Spiel.

Aufgrund der GPS-Daten lässt sich, beispielsweise vom aktuellen Führenden im Qualifying, ein Ghost Car in das Live-Bild einfügen. So kann die Runde des aktuellen Piloten direkt und visuell mit der des bis dahin schnellsten Fahrers verglichen werden. Der Fan erkennt die unterschiedlichen Linien und auch, ob die beiden nun durch eine halbe Wagenlänge oder weniger getrennt werden.

NASCAR nutzt - bis zur Einführung des "Next Gen"-Autos im Jahr 2021 - in vielen Bereichen alte, aber erprobte Technik. Das heißt aber noch lange nicht, dass neuste Technologien nicht dennoch Anwendung finden. Das Beispiel KI zeigt, dass NASCAR ein viel moderner Sport ist, als es von außen den Anschein macht ...

Mit Bildmaterial von LAT.