Kevin Pannewitz: Der Problemspieler ist wieder ein Profi

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Kevin Pannewitz: Der Problemspieler ist wieder ein Profi

Kevin Pannewitz steht kurz davor, wieder Profi zu sein. Das frühere Top-Talent will bei seinem neuen Klub Carl Zeiss Jena die letzte Chance ergreifen.

Kevin Pannewitz - dieser Name steht für vergeudetes Talent. Nach Jahren in der Versenkung steht der Mittelfeldspieler nun aber zumindest vor einer Rückkehr in den Profifußball.

Vor gar nicht so langer Zeit war Kevin Pannewitz vom Profifußball noch weiter entfernt als viele Hobbykicker. Er wog bis zu 125 Kilogramm, und um finanziell über die Runden zu kommen, schleppte das einstige Riesentalent Kühlschränke und Waschmaschinen in fremde Wohnungen oder arbeitete als Hausmeister.

"Ich weiß, wie es ist, morgens um vier Uhr die Mülltonnen herauszufahren oder die Einfahrt zu kehren", sagt Pannewitz. Und während er dies tat, dachte er bei sich: Das kann es doch noch nicht gewesen sein! Der gebürtige Berliner wagte bei Carl Zeiss Jena einen letzten Versuch - und darf jetzt nach sechs Jahren Pause wieder Profifußballluft schnuppern. Am Samstag (14.00 Uhr) im Drittligaspiel bei Fortuna Köln soll Pannewitz sein Comeback feiern.

Laufbahn war schon abgeschrieben

"Ich hatte meine Laufbahn eigentlich schon abgeschrieben, darf jetzt aber wieder dieses Leben als Profi genießen", sagte der 26-Jährige dem kicker. Er weiß, dass sich in seinem Alter und bei seiner Vorgeschichte diese Tür wohl zum letzten Mal öffnet: "Es ist meine gefühlt zehnte zweite Chance, die ich mit aller Konsequenz nutzen möchte."

Pannewitz sieht körperlich fit aus, er hat seine Ernährung umgestellt und Muskelmasse aufgebaut. Beim Jenaer Testspiel gegen Babelsberg lief der als "schlampiges Genie" verschriene Mittelfeldspieler in 90 Minuten mehr als elf Kilometer. "Ich bin in der Lage", sagt Pannewitz, "in jedem Training, in jedem Spiel von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas zu geben."

"Pannewitz ist panne"

Das war in seiner ersten Zeit als Profi nicht der Fall gewesen. Mit 17 Jahren feierte er einst sein Zweitligadebüt für Hansa Rostock, doch der Erfolg stieg ihm schnell zu Kopf. Er fiel mit Übergewicht und Ausflügen ins Nachtleben negativ auf, Hansa reagierte mit einer zwischenzeitlichen Suspendierung. Nach Pannewitz' Disco-Tour 2011 mit vier Teamkollegen sagte der damalige Trainer Peter Vollmann verständnislos: "Dieser Vorfall ist an Dämlichkeit nicht zu überbieten."

Felix Magath hielten die Eskapaden nicht davon ab, den damals 20 Jahren alten Problemspieler zum Bundesligisten VfL Wolfsburg zu holen. Die einhellige Meinung war: Wenn es einer schafft, Pannewitz fit zu bekommen, dann der "Quälix". "Es wäre schade, wenn der Fußball so ein Talent verliert", sagte Magath. Nach ein paar Monaten lautete sein vernichtendes Urteil jedoch: "Pannewitz ist panne."

Jena wohl die letzte Chance

Pannewitz schaffte nie den Sprung in den Bundesligakader und flüchtete zu Amateurklubs in Goslar, Altglienicke und Oranienburg. "Ich bin an mir selbst gescheitert, ich habe den Kampf gegen mich verloren", hat Kevin Pannewitz einmal über sich gesagt: "Ich hätte jemanden gebraucht, der 24 Stunden auf mich aufpasst."

In Jena hat Pannewitz nach guten Eindrücken im Training einen stark leistungsbezogenen Zweijahresvertrag unterschrieben. Seine wohl letzte Chance im Profifußball will er nicht noch einmal vermasseln: "Darauf habe ich die vergangenen Monate hingearbeitet. Ich bin so fit wie noch nie und möchte zeigen, was ich kann."